Whisky

Veröffentlicht am 21. Oktober 2015 Blick auf Bowmore | Foto: Alkoblog

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Der Inselkönig lädt zum Tanz: Bowmore 18 Jahre im Test

Meine erste Verkostung des Bowmore 18 Jahre liegt zwar schon einige Zeit zurück, dennoch habe ich immer noch eine sehr gute Erinnerung an dieses Dram und die Verkostungsatmosphäre. Die Sonne stand bereits tief und würde bald untergehen und wir standen mit unseren Drams auf dem riesigen Balkon der Bowmore-Destillerie, der direkt auf das Meer hinausgeht. Unter uns tosen die Wellen gegen die Mauern der Destillerie, die Brandung bricht sich. Der Geschmack des Bowmore 18 scheint sich vor dieser Kulisse noch mal zu intensivieren, doch fangen wir mit den nüchternen Fakten an.

Für den Bowmore 18 spricht: Der Preis. Online ist der Single Malt im Vergleich zu anderen 18jährigen Islay-Whiskys günstig. Für den Laphroaig 18 muss man beispielsweise schnell mal 120 Euro hinlegen. Da erscheint der Bowmore mit rund 80 Euros milde bepreist und gehört zusammen mit Caol Ila 18 zu den günstigsten Whiskys von Islay. Gut fairerweise muss man sagen, dass Ardbeg, Lagavulin, Bruichladdich und Kilchoman keinen 18-jährigen in ihrem Standardangebot haben. Selber Schuld möchte man sagen, denn der Bowmore 18 zeigt, dass ein guter Whisky in diesem Alter volljährig werden und seine perfekte Reife finden kann. Doch zurück zum Balkon der Islay-Destillerie, wo die letzten Sonnenstrahlen den Whisky sanft auf die richtige Temperatur erwärmt haben.

Unser Tasting des Bowmore 18 Jahre

Wie riecht er?

Die reichhaltigen Fruchtaromen überraschen bei einem Islay-Whisky. Wir riechen vor allem Kirschen (Schattenmorellen!) und Pflaumen. Ein kühler, eleganter Duft. Die Süße eines Vanillepudding trifft auf Kandiszucker, Karamell und Gebäck. Ah ein Früchtekuchen! Im weiteren Verlauf würzig mit Noten von Birkenholz, getrockneten Sägespänen und einem Hauch Salbei. Rauch und Torf, die charakteristisch für den Bowmore 12 Jahre sind, scheinen fast völlig abgeklungen und in den 18 Reifejahren im Fass abgebaut worden zu sein.

Wie schmeckt er?

Die Eindrücke überschlagen sich fast, der Stift fliegt förmlich über unseren Block mit den Tasting Notes. Voll und mild zeigt sich der Bowmore 18, mit unzähligen Dessertaromen als Entourage: Vanillecreme, Madeleines, Karamell, Schokolade und Eierlikör glauben wir in der cremig-sahnigen Melange erkannt zu haben. Aber auch die Früchte sind in Form von Rosinen und Trockenpflaumen zurück. Ein Geschmack der teilweise ins seifig-parfümige tendiert, aber immer angenehm bleibt. Hinterher kommt dann die Eiche der Sherryfässer prägnant würzig hervor, der Nachgeschmack erinnert an Treibholz. Und doch hat dieser Whisky nicht vergessen, wo er herkommt: Feiner Rauch und Torf entfalten sich sanft am Gaumen, erst im Anschluss kommt etwas Asche und Salz nach. Ein langanhaltender, komplexer und sehr ausgewogener Geschmack.

All dies passiert jedoch auf einem sehr feinen, zurückhaltenden Niveau. Der Bowmore 18 ist kein hartes Rauch- und Torfmonster sondern ein milder Islay-Whisky. Empfehlen würden wir ihn als Dessert-Dram nach einem guten Abendessen oder für die gemütlichen Stunden danach.

Vielen Dank an unseren Tasting-Partner Rum & Co für die Zusendung des Bowmore 18 Jahre.

Alkoblog,de Whisky-Test: Bowmore 18

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Der Bowmore 18 Jahre ist ein Aromenwunder und beweist, dass Islay-Whiskys mehr als nur Rauch & Torf können. Mit milden und sehr ausgewogenen Aromen sowie einer hohen Komplexität mit Röstaromen, Karamell, Schokolade und Trockenfrüchten gehört er eindeutig in die erste Reihe der Islay-Malts.

4.4



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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