American Whiskey

Veröffentlicht am 2. Oktober 2016 | Foto: Alkoblog

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Warum Scotch-Genießer sich nicht für Bourbon-Whiskey begeistern

Die Amerikaner sind mächtig stolz auf ihren Bourbon-Whiskey. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo alles immer höher, schneller und weiter geht, ist man felsenfest überzeugt: Bourbon-Whiskey ist der Beste! Hört man sich hingegen in der Scotch-Whisky-Gemeinde um, fällt auf: Viele Whisky-Genießer können mit Bourbon nicht viel anfangen. Woran liegt das, wenn die Herstellung von Bourbon und Scotch doch eigentlich relativ ähnlich ist? Hier unsere drei Gründe warum Bourbon Whiskey Scotch-Trinker nicht begeistern kann.

Grund 1: Wenig anspruchsvoller Premium-Bourbon

Ein Dilemma von amerikanischem Bourbon-Whiskey ist es, dass der Bereich von Premium-Whiskey bei fast den Destillerien völlig vernachlässigt wird. Die Konzentration liegt auf dem billigen Einsteiger-Bourbon, welcher schon nach wenigen Jahren aus dem Fass geholt und abgefüllt wird.

Der Bourbon kann so natürlich günstig verkauft werden, ist aber wegen der kurzen Lagerung dann auch nicht sonderlich komplex. Wer an etwas exklusiveren Bourbon-Abfüllungen interessiert ist, dem bleibt nur der Griff zu vereinzelten Signature-, Single Barrel- oder Cask Strength-Whiskeys, die aber ein Schattendasein fristen.  Danach ist sehr schnell Schicht im Schacht. Richtig lange gelagerte Bourbons gibt es im Gegensatz zu den zahlreichen verfügbaren alten Scotch-Whiskys kaum. Dies liegt auch an der fehlenden Möglichkeit Whiskey lange zu lagern.

Grund 2: Bourbon wird nicht so lange gelagert

Es ist nach amerikanischem Recht zwingend festgelegt, dass Bourbon-Whiskey ausschließlich in frisch ausgebrannten Fässern aus amerikanischer Eiche gereift werden darf. Dies mag eine schöne Tradition sein und auch sehr edel und exklusiv klingen, es beraubt die Bourbon-Erzeuger aber auch der Möglichkeit Whiskey lange zu lagern. Denn frische Eichenholzfässer geben am Anfang viele herbe Eichenaromen (Tannine) ab, so dass der Whiskey bei sehr langer Lagerung schnell unangenehm holzig schmecken würde. Dadurch kann Bourbon-Whiskey nicht gut lange gelagert und somit nach wenigen Jahren aus dem Fass genommen werden. Ein Manko, denn die Fass-Lagerung bringt am meisten Geschmack in den Whiskey.

Grund 3: Mangelnde Fass-Flexibilität

Die schottischen Scotch-Destillerien sind was die Auswahl der Fässer angeht deutlich flexibler. Verschiedenste Fässer für die Lagerung von Scotch-Whisky sind erlaubt.  So werden für die Lagerung von Scotch in den meisten Fällen Ex-Bourbon- oder  Ex-Sherry-Eichenholzfässer (aber auch Wein-, Port- oder Rum-Fässer) verwendet.

Die Bourbon-Destillerien reiben sich die Hände, wenn sie ihre „alten“ Fässern an die Schotten für gutes Geld verkaufen. Aber eigentlich sind es die Schotten, die sich darüber so richtig freuen können. Was früher auf Grund von Fassmangel getan werden musste, ermöglicht ihnen heute die Herstellung einer deutlich komplexeren Spirituose.

In den benutzten Fässern, sind die herben Eichenaromen bereits zu einem Teil abgebaut, der Scotch kann so deutlich länger im Eichen-Fass gereift werden und seine feinen Aromen entwickeln. Darüber hinaus werden durch die vielen verwendbaren Fässern unzählige Möglichkeiten für Whisky-Abfüllungen geschaffen. Denn es sind viele verschiedene Möglichkeiten der Verschneidung, doppelten Lagerung oder Finishing möglich.  So dass Scotch-Whisky insgesamt im Vergleich zu Bourbon-Whiskey die Spirituose mit der deutlich größeren Geschmacks-Bandbreite und Abwechslung ist. Kein Wunder, denn rund 70% des Whisky-Geschmacks kommen aus der Fasslagerung.

Mehr Fragen zu Bourbon? Hier geht es zu unserem FAQ

Was habt ihr für Erfahrungen mit Bourbon-Whiskey gemacht? Seit ihr Fans geworden oder überzeugte Scotch-Genießer geblieben?


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6 Responses to Warum Scotch-Genießer sich nicht für Bourbon-Whiskey begeistern

  1. Jochen says:

    Also ehrlich, das könnt Ihr doch besser. Was für ein grottenschlechter Beitrag. Vor allem die ersten beiden Punkte strotzen ja nur so vor Klischees. Oder sollte das Satire sein?

    • Lukas Lukas says:

      Der Beitrag ist natürlich mit spitzer Feder formuliert. Aber unsere drei Thesen sind absolut ernst gemeint.

      Nehmen wir das Alter: Die meisten Premium-Bourbons sind 8-10 Jahre gereift, vereinzelt vielleicht auch mal 12 Jahre. Für einen Single Malt ist das das Einstiegsalter. Und wo es bei 15, 18, 21 Jahren in Schottland eine große Auswahl gibt, sieht es beim Bourbon schnell ganz dünn aus. Amerikanische Whiskeys in diesem Alter sind eine Seltenheit (spontan fällt mir Pappy van Winkle ein). Das liegt natürlich auch an der Verwendung neuer Holzfässer und dem anderen Klima, das eine schnellere Reifung möglich macht. Das kommt den Destillerien natürlich sehr entgegen. Nicht umsonst gibt es auch auf vielen Premium-Bourbons keine Altersangabe, überhaupt scheint das Alter beim Bourbon keine so wichtige Größe zu sein wie beim Scotch Whisky.

      Nehmen wir die Vielfalt: Hier haben die schottischen Destillerien über das Finish in Ex-Sherry-, Ex-Port-, Ex-Rum-, Ex-Madeira-Fässern kombiniert mit der Lagerung in Ex-Bourbon-Casks verschiedener Hersteller einfach viel mehr Möglichkeiten den Geschmack zu gestalten. Verbunden mit der Tradition einer längeren Lagerung ergeben sich so viel mehr Kombinationsmöglichkeiten als beim Bourbon-Whiskey.

      Damit ist ja nicht gesagt, dass Scotch besser ist als Bourbon. Aber der Preis für die größere geschmackliche Vielfalt geht in jedem Fall nach Schottland.

      • Helmut Barro says:

        Junge Brände sind also immer schlechter als ältere? Was nicht 20 Jahre alt ist, kann kein „Premium“-Brand sein? Das ist natürlich Nonsens. Ihr legt hier die Zeitachse, die bei Scotch gut funktioniert, an andere Spirituosen an, für die andere Bedingungen gelten. Was ist mit Tequila? Der reift normalerweise weniger als 3 Jahre. Der hat dann ja überhaupt keine Chance, eine Premium-Spirituose zu sein, oder? Dann noch Bourbon vorzuwerfen, dass oft keine Altersangabe darauf steht – na, wer im NAS-Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

        Ich finde es schade, dass auf einem Blog wie Eurem zwei Spirituosen gegeneinander ausgespielt werden, und noch dazu mit einem uralten Spirituosenklischee, wie es kaum ein zweites gibt (die Amis können einfach keinen guten Whisky, Bourbon ist der zweitklassige Scotch etc), das einfach nicht wahr ist – außer natürlich, man hat noch nie guten Bourbon getrunken. Man kann natürlich einen Jim Beam White Label mit einem Highland Park 21 vergleichen, wenn man es auf etwas anlegen will.

        Ich stimme da Jochen voll zu: eigentlich müsstet ihr es besser wissen. Dass viele Scotch-Trinker lieber Scotch trinken als Bourbon liegt einfach darin begründet, dass sie lieber Scotch trinken als Bourbon, und nicht in einem Qualitätsunterschied. Das ist, als würde man in einem BMW-Forum fragen, was die Lieblingsautomarke der User ist, und was sie von Audi halten.

        • Lukas Lukas says:

          Hallo Helmut, danke für deinen Kommentar. Wir sind vor einer Weile schon einmal über deine sehr interessanten Zucker-im-Rum-Analysen bei Schlimmerdurst.net gestolpert, die wir ziemlich gut und aufschlussreich fanden.

          Wir finden, dass es durchaus legitim ist, schottischen Whisky mit amerikanischem Whiskey zu vergleichen. Es waren doch europäische Brenner, die ihr Wissen um die Whisky-Herstellung bei ihrer Auswanderung in die USA mitnahmen. Als Getreide nutzten sie Mais statt Gerste, weil der unter den klimatischen Bedingungen vor Ort besser anzubauen ist. Die meisten Bourbons enthalten sogar immer noch einen (kleineren) Anteil gemälzter Gerste. Whisky und Whiskey haben beide eine Tradition zur Fasslagerung. Einige Bourbons wie Maker’s Mark haben sogar die Schreibweise „Whisky“ in ihren Namen übernommen usw. Es gibt also viele Parallelen zwischen den beiden Spirituosen, was sicher auch dazu führt, dass insbesondere Einsteiger auch schon mal Scotch und Bourbon verwechseln und die Unterschiede erst nach und nach kennen lernen.

          Der Vergleich zwischen Scotch und Bourbon muss natürlich auf Augenhöhe stattfinden, etwas anderes haben wir doch nirgendwo behauptet. Wo wir den Jim Beam White Label mit einem Highland Park 21 Jahre verglichen haben sollen, kann ich nicht ganz nachvollziehen, ebenso wenig würden wir einen Whisky mit einem Tequila vergleichen…

          Es ist doch erwiesen, dass eine Spirituose bei längerer Fasslagerung mehr und mehr Aromen aus dem Holz aufnimmt. Wenn dem nicht so wäre, warum sollten die Destillerien ihren Bourbon überhaupt länger als 4 Jahre lagern? Und genau das tun sie ja auch bei ihren Premium-Abfüllungen durchgängig – eben üblicherweise für 8-12 Jahre. Das tun sie, weil sie um die geschmacklichen Vorzüge der Fasslagerung wissen.

          Es geht uns mit unserem Kommentar keineswegs darum, Scotch gegen Bourbon auszuspielen. Wir suchen vielmehr nach einer Erklärung, warum so viele Scotch-Genießer mit Bourbon nicht wirklich viel anfangen können. Mit dem Verzicht auf eine zeit- und kostenintensive längere Lagerung und der (gesetzlich) fehlenden Möglichkeit zu spannenden Finishes durch Lagerung in Ex-Sherry, Ex-Rum, Ex-Weinfässern usw. haben bzw. nutzen die amerikanischen Brennereien einfach zwei Möglichkeiten weniger, mit welchen die Schotten seit Jahren für mehr Vielfalt in ihren Whiskys sorgen. Der jüngst erschienene Maker’s Mark 46, in den Stäbe aus französischer Eiche eingelegt werden, kann durchaus als Versuch gesehen werden, diesem Korsett zu entkommen. Die Bourbon-Hersteller haben schon erkannt, dass sie etwas tun müssen, um mehr „Premium“ zu werden und auch Genießer anzusprechen, die ihren Bourbon pur im Nosing-Glas verkosten möchten und nicht nur mit Eis und Cola gemischt.

          Halten wir fest: Scotch-Genießer lieben die Vielfalt ihres Whiskys. Natürlich ist es letztlich Geschmackssache, ob ich lieber Scotch oder Bourbon trinke. Ich persönlich verkoste gerne einen erlesenen alten Single Malt, mindestens genauso gerne habe ich einen runden Bourbon oder einen zackigen Rye Whiskey im Glas.

          Aber diese Vorlieben sollten doch nicht den Blick verstellen auf die Unterschiede, die zumindest zum Teil dadurch verursacht werden, dass die amerikanischen Destillerien eben einen stärkeren Fokus auf dem Mainstream haben und sich eher schwer tun mit wirklichen Kleinauflagen. Ein so genanntes „Small Batch“ besteht dann eben schnell auch mal aus mehreren hundert Fässern. Bleiben für den anspruchsvolleren Genießer noch die Single Barrel Abfüllungen, von denen es eine ganze Reihe wirklich vorzüglicher gibt: Die hohen Wertungen in unseren Whiskey-Testberichten belegen diese hohe Qualität im übrigen ja auch.

          Die Tendenz in Richtung Mainstream gibt es bei den Schotten mit den NAS und den vielen massentauglichen Blends sicher auch, keine Frage. Aber ich bin doch ganz froh, dass Destillerien wie Edradour, Dalmore, Balvenie, Bruichladdich und so viele andere auch dennoch viele verschiedene, geschmacklich unterschiedliche Abfüllungen mit teilweise kuriosen Finishes haben – auch wenn sie damit nur ein Nischenpublikum ansprechen. Und ebenso freue ich mich, dass die Mehrzahl der verkauften Single Malts immer noch eine Altersangabe hat und man diese Reife in den allermeisten Abfüllungen auch schmecken kann.

  2. tux. says:

    Bourbon war mein Einstieg in die Whiskywelt, angefeuert von Büchern. Ich mag ihn aber nicht, er ist mir zu scharf und zu vanillig und zu wässrig und zu flach.

    Er war allerdings mein Einstieg in die Whiskywelt und dafür sollte ich ihm dankbar sein.

  3. Steve says:

    Grund 4: Scotch Whiskey schmeckt einfach mit Cola kacke.

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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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