American Whiskey

Veröffentlicht am 26. Februar 2016 | Booker Noe mit Bourbon | Foto: Beam

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Papas ganzer Stolz: Booker’s Bourbon im Test

Ein Whisky in Fassstärke ist für viele Kenner so etwas wie der Heilige Gral. Nur dass im allseits bekannten Kelch kein Wein oder Wasser ist, sondern über 60-prozentiger Whisky. Na Halleluja!

Warum das so außergewöhnlich ist? Nun die meisten Scotch-Whiskys und Bourbons kriegen nach der Fasslagerung erst mal eine kalte Dusche: Sie werden mit Wasser auf 40 % Alkoholgehalt herunterverdünnt, bevor sie in die Flasche kommen. Warum machen die Hersteller das? Offiziell wird häufig auf die bessere Trinkbarkeit verwiesen. Tatsächlich profitieren einige Whiskys geschmacklich davon, wenn weniger Alkohol im Spiel ist, der mit seiner Schärfe feine Aromen womöglich überdeckt. Zum anderen lässt sich mit verdünntem Whisky einfach mehr Geld verdienen. It’s all about money, baby!

Ein amerikanischer Whiskey mit ordentlich Zunder

Umso gespannter schauen erfahrene Genießer auf die Cask-Strength-Whiskys, die direkt aus dem Fass in die Flasche kommen. Beim Booker’s handelt es sich um einen ebensolchen Cask Strength Bourbon Whiskey, der immerhin über 60 Atü aufm Kessel hat. Booker’s gehört zur Small Batch-Premium-Serie von Beam Suntory und ist zudem der Lieblingswhiskey des aktuellen Master Distillers Fred Noe, wie er uns kürzlich im Interview verriet. Der Kentucky Bourbon ist nach seinem Vater Booker Noe benannt, der ihn genau so kreierte, wie er seinen Whiskey am liebsten mochte. Durchaus ein Herzensprojekt also und wir können sicher sein, dass Papa Booker Noe auf sein Werk mächtig stolz war. Als er in Rente ging, soll er seinen Sohn gebeten haben: „Fred, make sure they don’t mess with my Booker’s“.

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Fred Noe im Gespräch mit Alkoblogger Lukas

Und Fred hat ein waches Auge auf den Booker’s und greift in die Produktion sogar selbst ein: „Für Booker’s Bourbon wähle ich die Fässer aus, die im jeweiligen Batch miteinander vermählt werden. Ich wähle sie aus einer sortierten Gruppe von Fässern mit unterschiedlichem Alter aus. Ich verkoste ein Sample aus 10, 15, 30 oder sogar 50 Fässern und entscheide dann, wie viele davon in den Batch gehen sollen.“ 

Die Mischung wird dann ohne Zugabe von Grain Whisky ungefiltert direkt ins Fass gefüllt. Und so kommt es, dass jedes Batch einen unterschiedlichen Alkoholgehalt hat. Auf der Webseite gibt es eine gut gemachte Übersicht über die aktuellen Batches und ihre Geschichte. Unsere Probe liegt mit 63,4 % im unteren Mittelfeld, aber auch das ist schon mächtig stark, wie wir im Tasting gleich feststellen werden. Fred Noe trinkt seinen Booker’s übrigens am liebsten mit ein paar Spritzern Wasser und etwas Eis. Wir wagen uns für unseren Whiskey-Test aber an die pure Variante – straight from the bottle sozusagen.

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Booker’s Bourbon mit Holzkiste (Foto: Beam Suntory)

Unser Tasting des Booker’s Small Batch Bourbon

Wie riecht er?

Die typische Vanillenote darf auch bei diesem eher süßen und schweren Bourbon nicht fehlen. Sie wird aber schnell abgelöst von einem dicken Stapel Holz. Ich würde diesen Geruch am ehesten als „spicy wood“ beschreiben, also eine würzige und zugleich leicht scharfe Holznote. Dann kommen Kräuter ins Spiel, der Booker’s wirft mir kess ein Bündel Estragon zu. Danke auch, alter Kumpel! Dennoch ist der Bourbon eher geradlinig als komplex. Riecht man zu lange am Glas, zieht einem der Alkohol ganz schön intensiv und scharf in die Nase.

Wie schmeckt er?

Hart, kompromisslos, betäubend – die 63,4 % Alkohol des Booker’s fordern ihren Tribut: Das ist kein Whiskey für Weicheier! Und die Holzaromen sind so intensiv wie eine Begegnung mit einer Bretterwand – Kopf voran wohlgemerkt. Die Schärfe des intensiven Holzes mischt sich mit der des Alkohols. Dazu die Noten von Leder und frittierter Banane. Ein Whiskey für die Lederjacken-Fraktion. Durch das strenge und eigene Aroma sicher nicht für jeden – aber andererseits hat es auch was, einen so charakterstarken und mutigen Bourbon im Glas zu haben.

Und dann haben wir ihn doch noch verdünnt…

Im puren Zustand ist der Booker’s Bourbon eher etwas für Hartgesottene. Wir haben den Whiskey deshalb mit ein paar Spritzern Wasser schrittweise verdünnt und dabei weiter verkostet. Die Aromen verteilen sich dann breiter im Mund. Das Holz spielt weiter die dominante Hauptrolle und bleibt auch nach dem Trinken minutenlang im Mund zurück. Hinzu kommt die Süße von Karamell, aber wirklich viele neue Aromen fährt der Booker’s im verdünnten Zustand nicht auf. Er bleibt sich selbst treu, könnte man sagen – das ist doch auch schon was.

Alkoblog.de Whiskey-Test: Booker's Bourbon

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Lederjacken an, hier kommt Booker's: Dieser kompromisslose Bourbon will nicht jedem gefallen. Hinter der harten Schale von über 60 % Alkohol verbergen sich eine ganze Reihe spannender Holzaromen. Die offenbart der edle Whiskey erst bei einem ausführlichen Tasting und lässt sich dabei mit ein paar Tropfen Wasser flexibel an die gewünschte Trinkstärke anpassen. Direkt aus der Flasche finde ich ihn sehr intensiv und stark - mit Booker's muss man umzugehen lernen. Daher eher etwas für besondere Momente, als ein "everyday dram". Die üblichen 0,7 Liter schlagen mit rund 60 Euro ins Kontor.

3.9



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One Response to Papas ganzer Stolz: Booker’s Bourbon im Test

  1. Curd Zydek says:

    Der Booker´s ist für uns der vielschichtigste Bourbon den wir kennen.Ich teile die Meinung mit Lukas , man muss mit dem Booker´s wissen mit umzugehen. Wir trinken, und dies ist fast übertrieben in der Aussage, besser wir sitzen fast 5 Stunden an einem Glas, an Weihnachten und gehen mit unserer Nase auf Entdeckungstour. Nicht nur die Lederjacke kann gereicht werden, sondern auch das kleine Schwarze, oder der Smoking, so elegant entwickelt sich der Booker´s. Auch nach Jahren bleibt die Erkennungstextur des Bourbon´s immer gleich, jedoch die Entdeckungen, der Aromen, die man macht sind einzigartig. So passierte es , dass wir im dritten Jahr den feuchten Waldboden entdeckten und im vierten Jahr die Steinpilze gefunden hatten. Um den Booker´s in seiner Tiefe kennen zu lernen, braucht man selbst auch Momente der inneren Ruhe und Ausgeglichenheit. Selbst dem am Anfang, Stark empfundenen Alkohol, Träger der Aromen, wünscht man an Jahren mehr Proof, um immer weiter in die Vielschichtigkeit seiner Aromatig tauchen zu dürfen. Um es mal sportlich zu sagen, wer sonst beim Bourbon in den Aromen schnorchelt, der macht beim Booker´s eine Tiefseereise.Bleibt nur zu hoffen, das Fred uns diesen Bourbon noch lange erhält.

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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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