Whisky

Veröffentlicht am 30. Dezember 2015 | Foto: Alkoblog

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Auf den Hund gekommen: Black & White Scotch Whisky im Test

Eine Sache hat mich im Gespräch mit Master-Blender und Whisky-Legende Richard Paterson sehr beeindruckt: Wie offen und ohne Scheu er über Supermarkt-Whiskys spricht. Ich hatte ihn gefragt, welches der billigste Blends, den er überhaupt empfehlen kann. Seine Antwort: Ob Aldi oder Lidl, es ist zwar viel Grain drin, aber es sind dennoch qualitativ gute, easy-drinking Whiskys. Also nicht abschrecken lassen, einfach probieren, was einem schmeckt.

So ermutigt griff ich beim Black & White Scotch Blend zu, den mir mein Schwiegervater an Weihnachten anbot. Es war aber ohnehin der einzige Whisky im Spirituosen-Kabinett. Und ich sage immer: Besser einen schlechten Whisky trinken, als gar keinen Whisky trinken. Die Flasche selbst stand wohl schon länger dort, mein Schwiegervater hatte sie mal von einem Freund geschenkt bekommen. Da er aber selbst praktisch nie Scotch trinkt, ruhte der Black & White seit Jahren fast unberührt im Schrank. Das konnte so nicht weitergehen…

Zwei Hunde – ein Whisky

Mit solchen Anzeigen könnte man heute keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken (Foto: PR Black & White)

Seinen Namen hat der Black & White Whisky von den beiden Hunden auf dem Etikett: Ein schwarzer Scottish Terrier und ein weißer West Highland White Terrier blicken den Trinker an. Das Markenmotiv soll Gründer und Blender James Buchanan während der 1890er Jahre selbst entwickelt haben. Ob es an den beliebten Hunderassen lag, am markanten Etikett oder dem guten Whisky – der Blend war bald in aller Munde. Ich hätte mich aber auch nicht gewundert, wenn zwei Pferde auf dem Etikett gewesen wären: Baron James Buchanan hatte nämlich noch eine weitere Leidenschaft, das Züchten von Rennpferden.

Auf Wikipedia hat sich jemand die Mühe gemacht und alle Stellen gesammelt, wo in Romanen oder Filmen Black & White getrunken wird. Das sind eine ganze Menge. Sogar James Bond, sonst Mr. Martini-geschüttelt-nicht-gerührt soll in der Buchvorlage zu Moonraker von Ian Fleming an einer Stelle Black & White trinken. Muss ich bei Gelegenheit noch mal nachlesen, ob das stimmt.

Ein charaktervoller Blend mit Dalwhinnie?

Die Marke Black & White gehört heute übrigens zu Diageo. Den maßgeblichem Single Malt in diesem Blend steuert wohl Dalwhinnie aus den schottischen Highlands bei. Hinzu kommen eine ganze Reihe anderer Malts aus dem Diageo-Universum, die aber ebenfalls nicht namentlich genannt werden. Insgesamt sollen 35 verschiedene Grains und Malts enthalten sein, bei einem Grain-Anteil von stolzen 60-65 %. Black & White soll sich in Frankreich, Venezuela und Brasilien am Besten verkaufen. Merkwürdigerweise findet man ihn auf der Marken-Webseite von Diageo aber gar nicht. Nur ein Versehen oder sind die süßen Hunde in Gefahr abgewickelt zu werden?

In Deutschland findet man den Black & White eher selten – zumindest habe ich ihn noch nie im Supermarkt gesehen. Vielleicht weiß einer von euch, wo man ihn am besten kaufen kann und schreibt es in den Kommentaren.

black-white-scotch-whisky-test

Meine Verkostung des Black & White Whisky

Wie riecht er?

Eine schmale, honigartige Süße prägt den Charakter in der Nase. Ich rieche Birne und etwas Marzipan. Nach einer Weile fast nussig. Am markantesten noch der feine Rauch und die Asche hinten.

Wie schmeckt er?

Ein für einen Whisky in dieser Preislage typischer Grain-Geschmack durchzieht den Black & White. Sieht man darüber hinweg, ein harmonisches, wenngleich wenig aufregendes Geschmacksbild. Eher Caspar David Friedrich als Jackson Pollock: Süße Fruchtigkeit, Birne und Butterkekse. Auf der anderen Seite dezent rauchig mit Noten von Asche bzw. Aschenbecher. Der Grain macht ihn hinten etwas bitter. Das ist nicht furchtbar schlimm, aber stört beim puren Trinken doch.

Black & White mit Cola mischen?

Da ich keine Coca Cola zur Hand hatte, musste die Pepsi herhalten. Was soll ich sagen: So richtig kann sich der Black & White nicht durchsetzen. Der Rauch ist noch am ehesten zu schmecken, auch das getreidige Aroma des Grain ist vorhanden. Die milden Zwischennoten von Birne bis Butterkeks kommen nicht durch. Dadurch kein charaktervoller Drink. Ob der B&W deshalb so selten in Bars serviert wird?

Alkoblog.de Whisky-Test: Black & White Scotch Whisky

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Die rauchigen Noten sind für mich das Highlight dieses Blends. Wären sie doch nur etwas markanter. Der Black & White ist für den Preis nicht schlecht, aber es fehlt der Kitzel, das Kühne, der großspurige Moment eines Johnnie Walker Red Label, der immer etwas zu breitbeinig auftritt, für das was er bietet, dafür aber eine gute Show macht. Black and White wirkt im Vergleich eher zahm wie die beiden niedlichen Hunde auf dem Etikett. Der starke Grain-Geschmack stört beim puren Trinken, ist in dieser Preislage aber nicht ungewöhnlich. Seine rund 12 Euro ist dieser Scotch Blend wert.

2.9



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6 Responses to Auf den Hund gekommen: Black & White Scotch Whisky im Test

  1. H-P says:

    Hallo, es gibt durchaus einige Online Versender
    die den Black & White im Programm haben.
    Ob als 0,7l oder als 1 Liter Flasche.

    Da war deine Rechere nicht sehr gründlich. 😉

    • Lukas Lukas says:

      Danke für den Hinweis! Dass es den Black & White Whisky in irgendwelchen Onlineshops gibt, hatte ich gar nicht bezweifelt. Nur im Supermarkt scheint er tatsächlich selten zu sein…

  2. Micha says:

    Hallo, gibt’s bei Aldi Süd für 9,99€ , wohl dauerhaft im Programm. Hab mir heute ein Fläschchen gegönnt, eher zum Mischen.

  3. Günther Hoffmann says:

    Hallöchen
    Aldi NORD 9,99€ guter Alltags Whiskey ,kommt dem Irish sehr nahe .
    Hier stimmt Preis – Leistung !
    Grain sollte bei einem Blend kein Problem sein .

  4. Andreas Hubbert says:

    Gibt’s jetzt neuerdings im Aldi. Sehr guter Whisky für den Preis unschlagbar.
    Nicht zu vergessen, dass es kein no-name Whisky ist den man dafür bekommt.

  5. Summerwhisky says:

    Habe ihn auch gerade bei Aldi Süd für 9,99 Euro gekauft.

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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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