American Whiskey

Veröffentlicht am 25. August 2016 | Foto: Alkoblog

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Fünf gegen Jimmy: Discounter-Bourbon-Whiskeys von Aldi, Lidl & Co. im Test

Ob als Bückware ganz unten im Regal oder auf Augenhöhe – er darf in keinem Spirituosenregal deutscher Supermärkte fehlen: Der billige Bourbon Whiskey der Eigenmarke. Auch alle Discounter von Aldi bis Penny haben einen eigenen Whiskey made in USA im Angebot. Die Flaschen werden dabei zum einheitlichen Kampfpreis von 6,99 Euro angeboten. Anscheinend kann es sich niemand erlauben, diesen häufig gekauften Standardschnaps teurer anzubieten. Zu groß ist die Angst, dass die Kunden dem Geschäft fern bleiben und sich ihren Billig-Bourbon woanders holen.

Für eine Handvoll Dollar, sprich 7 Euro, kriegt der wagemutige Afficionado eine eckige Flasche, deren Gestaltung in vielen Fällen stark an die des Marktführers Jim Beam White Label erinnert. Diese Austauschbarkeit im Design hat uns doch überrascht. Sie ist bei den billigen Scotch Whiskys aus dem Supermarkt so in dieser Form nicht zu finden. Offenbar hat der „König des Bourbons“ einen derart großen Einfluss, dass die billigen Marken sich nur zu gerne in seinem Windschatten aufhalten und es nicht für nötig erachten, ein wirklich eigenständiges Design zu finden.

Für unseren Test haben wir jeweils eine Flasche der „Hausmarke“ unserer Wahl eingekauft. Doch wer sind die kühnen Pistoleros, die Platzhirsch Jim Beam ans Leder wollen?

Fünf Herausforderer gegen Jim Beam im Supermarkt-Whiskey-Test

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Die „glorreichen Fünf“, wie wir unsere Herausforderer im Whiskey-Test spontan taufen, mögen zwar optisch aus einem Holz geschnitzt sein – doch in ihrem Inneren schlummern ganz unterschiedliche Charaktere.

Da wäre zum Beispiel der Clarke’s Westpoint Whiskey von Aldi. Sein Name suggeriert eine langjährige Tradition, auf einigen Flaschen wird sogar mit dem Gründungsjahr 1866 geworben. Tatsächlich ist die Clarke’s Distilling Company in Whiskey-Kreisen allerdings ein unbekannter Nobody. Dennoch ist Westpoint ein waschechter Bourbon Whiskey aus Kentucky und somit ganz in der Nähe von Jim Beam aufgewachsen. Wird er König Jimmy gefährlich werden?

Auch Lidl schickt mit Western Gold einen Kentucky Straight Bourbon Whiskey ins Rennen. Verwirrenderweise gibt es unter dem Namen Western Gold auch einen kanadischen Whiskey in einer runden Flasche im Angebot des Discounters. Also Augen auf beim Whiskey-Kauf, damit ihr nicht den „falschen“ Western Gold erwischt. Das Straight steht dabei für einen Bourbon aus nur einer Destillerie – ob das gut oder schlecht ist, schwer zu sagen. Stolz wird auf der Flasche außerdem mit dem Zusatz „Sour Mash“ geworben. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, was praktisch alle Destillerien in den USA einsetzen: So wird ein Teil der alten Maische beim Ansetzen eines neuen Bottichs wiederverwendet, um den Hefekulturen eine gute Grundlage zu bieten. Wer schon einmal ein Brot mit Sauerteig angesetzt hat, kennt das Prinzip in ähnlicher Form. Auf den Geschmack hat Sour Mash aber keinen Einfluss. Also ein gut klingender Begriff auf dem Etikett, der wenig über die Qualität des Western Gold Whiskeys von Lidl aussagt.

Gewohnt gelassen und staatsmännisch blickt uns Polit-Ikone George Washington vom Etikett des Edeka-Whiskeys an. Der große Name ist ein Versprechen, dass der Whiskey in unserem Test erst einmal einlösen muss. Interessant ist dabei, dass es sich beim George Washington Whiskey von Edeka nicht mehr wie früher um einen Bourbon handelt, sondern die neuen Flaschen mittlerweile nur noch mit dem Begriff „American Blended Whiskey“ beworben werden. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus mindestens 20 % Straight Bourbon und anderen Whiskeys oder neutralen Spirituosen. Es dürfen auch neutrale Getreidedestillate, Farb- und Aromastoffe zugegeben werden. Wer es genau wissen will, kann die Regularien hier nachlesen.

Ein weiterer amerikanischer Whiskey hat sich hinter dem nächsten Baumstapel verschanzt, um Jimmy im Hinterhalt aufzulauern: Der mysteriöse Seven Oaks Whiskey von Rewe. Die Sieben ist ja schon im kulturhistorischen Sinn eine Zahl mit ganz besonderer Symbolik: Primzahl, Glücks- und Unglückszahl, Rom auf sieben Hügeln erbaut, Seven Summits, sieben Todsünden, sieben Zwerge…usw. Eigentlich alles dabei für eine richtig große Whiskey-Legende. Fragt man den Seven Oaks nach seiner Herkunft, dann druckst er erst herum und gibt dann zu: Er ist doppelter Staatsbürger, kommt aus Kanada und den USA, enthält also eine Mischung von Whiskeys aus beiden Ländern. Da es sich um einen Blend handelt, dürfen allerdings auch ungereifte Brände sowie Farbstoffe mit in die Mischung.

Wo viele Cowboys sind, da ist die nächste Ranch nicht weit: Ranch Wood heißt mehr oder weniger folgerichtig Pennys Kentucky Bourbon Whiskey. Das holzige Thema wird durch eine Illustration mit fünf aufeinander gestapelten Fässern aufgegriffen. Ob der Whiskey auch im Tasting mit besonders holzigen Noten punkten kann? Immerhin kennt er sich im Land des Bourbons gut aus, hat dort ein paar Jahre (also mindestens zwei) im Fass verbracht.

Und dann wäre da noch Jim Beam: Der bekannte White Label ist eine der meistverkauften Bourbons der Welt. In fast allen Ländern der Erde erhältlich und seit Jahren der absolute Liebling auf Partys. Hergestellt wird er im großen Stil in Kentucky, dem Mutterland des Bourbons. Doch der bekannte White Label bekommt keinen Sonderbonus in unserem Test. Auch er wird blind eingeschenkt und muss sich gegen die jungen Herausforderer aus den Supermärkten beweisen. Ist Jimmy der Beste unter den Billigen?

Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Jim Beam etwas teurer ist als die oben erwähnten Discounter-Whiskeys: Zwischen 12 und 13 Euro sind für eine Flasche fällig. In Aktionen ist Jimmy aber auch schon mal für einen flotten Zehner zu haben.

Blind-Tasting: So verkosten wir die amerikanischen Whiskeys

Wie schon bei unseren weiteren Vergleichstests, dem großen Vodka-Test und dem neuen deutschen Gin-Test haben wir uns für eine blinde Verkostung der Spirituosen entschieden. Gleich drei mutige Tester haben sich bereit erklärt, ihre Geschmacksnerven zur Verfügung zu stellen. Um eine Beeinflussung durch Markenwerbung oder Flaschengestaltung auszuschließen, weiß keiner der drei Tester, welcher Whiskey sich in welchem Glas befindet. Die Reihenfolge der zu verkostenden Whiskeys wird zufällig ausgelost. Das Einschenken übernahm freundlicherweise die Dame des Hauses, welche ihrerseits keinen Bourbon trinkt und somit als besonders neutral gelten kann. Die Gläser waren nummeriert, um hinterher die Namen der Whiskeys korrekt zuordnen zu können.

Unsere spirituosenerprobten Tester sind zwar keine absoluten Experten für amerikanische Whiskeys, aber hatten doch schon den einen oder anderen Bourbon von Billig bis Premium im Glas. Für sie geht es darum, die einzelnen Whiskeys in Geruch und Geschmack zu bewerten und die wahrgenommenen Aromen so präzise wie möglich aufzuschreiben. Wurden alle Whiskeys verkostet, fängt die Bewertungsrunde an: Hierbei werden Punkte von von 6 bis 1 jeweils einmal vergeben, wobei 6 die höchste und 1 die niedrigste Punktzahl darstellt. In der Endabrechnung werden alle Punkte addiert. Hieraus ergeben sich die finalen Platzierungen der Whiskeys.

Klar, dass während des ganzen Tastings immer wieder nachprobiert werden kann. Doch wie sich zeigen sollte, wollte von dieser an sich großzügigen Möglichkeit keiner der Tester so richtig Gebrauch machen…warum nur?

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George Washington American Blended Whiskey von Edeka im Test

Mit einer glasklaren Wahlschlappe geht es für den alten Staatsmann und Polit-Ikone George Washington im Geruchstest los. Die Eindrücke der drei Tester gehen von eher gefühlsmäßigen Ausbrüchen wie „Aua, scharf!“ oder „Attentat auf die Nase!“, über lakonische Bemerkungen wie „brennt“ oder „viel Alkohol“, bis hin zu klareren Aromenzuweisungen wie Klebstoff, vergoren, muffig und bitter. Kann ja nur besser werden, wünscht man dem alten George da für den Geschmackstest.

Doch auch im Mund ist für George Washington nicht viel zu holen. Der Geschmack wird als „flach wie die amerikanische Prärie“ beschrieben. Darüber hinaus erinnert er die Tester wegen des starken alkoholischen Geschmacks an Kornbrand, auch die süßlichen Getreidearomen können da nicht mehr viel retten.

Insgesamt ist der Tenor zum Edeka-Whiskey in unserem Test enttäuschend: Eine Spirituose für ganz Anspruchslose. Alle drei Tester wählen den George Washington Whiskey unabhängig voneinander mit der niedrigsten Punktzahl auf den letzten Platz.

Fazit: Der Donald Trump unter den Whiskeys. Großes Getöse, nichts dahinter!

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Western Gold Straight Kentucky Whiskey von Lidl im Test

Der Western Gold Bourbon Whiskey hat da schon etwas mehr zu bieten. Mit Assoziationen wie feuchte Pappe oder Altkleidercontainer, Mottenkugeln und Klebstoff ist das nicht unbedingt zu seinem Vorteil. Vom Duft erinnert der Lidl-Whiskey eher an eine Nacht unter der Brücke als an einen gelungenen One-Night-Stand im Saloon. Zwar mischen sich auch positive Eindrücke wie Zitronenschale, Vanille, Holzleim (ok, wenn man Holzleim mag) zwischen die Bemerkungen der Tester. Insgesamt bleibt das Bild jedoch maximal durchwachsen. Zu stechend und wenig angenehm wirkt der Geruch.

Die Zitronenaromen finden sich immerhin auch auf der Zunge wieder: Zitronenschale und auch Zitronensaft werden vermerkt. Ansonsten kann der Straight Old Bourbon aber nicht überzeugen: Flach, viel Alkohol im Geschmack und damit verbundene scharfe und bittere Noten machen das Verkosten des Western Gold nicht gerade zum Genuss. Die wenigen würzigen Noten werden davon leider ziemlich überdeckt.

Gleich zwei von drei Testern wählen Lidl’s Western Gold Bourbon auf den vorletzten Platz (jeweils 2 Punkte). Der dritte Tester scheint jedoch nicht ganz unangetan von der wilden Rustikalität dieses Whiskeys zu sein. Er vergibt ganze 4 Punkte (das entspricht dem dritten Platz). Dennoch resultiert daraus in der Gesamtwertung der vorletzte Platz für den Western Gold Bourbon Whiskey in unserem Test.

Fazit: Es ist nicht alles Gold, wo Gold draufsteht. Eine schwache Vorstellung für Lidl, die mit Queen Margot Scotch doch immerhin den Sieger in unserem letzten Discounter-Whisky-Test stellte.

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Westpoint Bourbon Whiskey von Aldi im Test

Dem Mittelfeld und somit dem High-Noon des Tests nähern wir uns mit dem Westpoint Whiskey. Der Aldi-Bourbon ist kein vollkommen glattrasierter Cowboy, der keine eigenen Aromen zu bieten hat. Vielmehr steht hier ein wettergegerbter Revolverheld auf der Probe. Schießt er scharf oder zeigt er Gnade mit unseren Geschmacksknospen?

Kennt ihr diese rollenden Büsche aus den Western-Filmen? Ungefähr so weht uns Aldi’s Westpoint Whiskey nussige Aromen in die Nase, die uns an knackig gebräunte Erdnüsse erinnern. Auch salzige Noten und der Einfluss von Eichenholz ist bemerkbar. Der Duft erinnert uns außerdem an grüne Wiesen, an Estragon und Lavendel. Irgendwie parfümig.

Obwohl wir die Supermarkt-Whiskeys im Blind-Tasting verkosten, wird an dieser Stelle schon kräftig über die Getreidemischung spekuliert: Wir vermuten, dass sich ordentlich Roggen (also Rye) in der Maische befindet. Ein Getreide, das für einen würzigeren Geschmack des Bourbon-Whiskeys sorgt.

War der Westpoint im Geruch noch einigermaßen aufregend, setzt sich dies leider nicht in den Geschmack fort: Ein paar nussige Aromen, dazu eine Spur Holz und kräuterige Noten. Mit etwas gutem Willen auch Ingwer. Hinten aber unangenehm bitter und scharf. Ein Bourbon, den die Tester als „kopfschmerzig“ und „unbalanciert“ in Erinnerung behalten.

Ähnlich durchwachsen sind auch die abschließenden Bewertungen. Jeweils einer der Tester sieht den Westpoint Whiskey auf dem dritten (4 Punkte), vierten (3 Punkte) und fünften (2 Punkte) Platz. Insgesamt reicht dies nur für den vierten Platz in der Gesamtwertung

Fazit: Kann der Westpoint punkten? Nicht so richtig. Erst macht er mit nussigen Noten den Mund wässrig – und lässt uns dann mit einer halbgaren Nummer im Regen stehen.

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Seven Oaks Whiskey von Rewe im Test

Eine Mischung aus amerikanischen und kanadischen Whiskeys? Unsere Erwartungen an den Seven Oaks Whiskey waren rein von der Deklaration auf dem Etikett im Voraus nicht besonders hoch. Angaben zur genauen Mischung der Whiskeys, zu eventuell zugegebenen neutralen Destillaten oder zum Alter sucht man jedenfalls vergeblich. Dafür sind laut Etikett Farbstoffe enthalten. Das erklärt wohl auch die kräftig dunkle Tönung des Seven Oaks.

Der Seven Oaks beginnt mild: Etwas Eichenholz, Vanille und leichte fruchtige Noten ziehen uns in die Nase. Hält man seinen Riechkolben tiefer ins Glas sind mit etwas Glück auch Weintrauben, Estragon, Roggen, Mandarine und etwas Banane zu erkennen.

Im Geschmack beginnt der Seven Oaks Whiskey erstaunlich harmonisch: Wie bei einer gezinkten Pokerpartie zieht er die Aromen-Asse namens Vanille, Kandiszucker und Getreide zur richtigen Zeit aus dem Ärmel. Komplex ist das alles nicht, aber es trinkt sich doch erstaunlich unkompliziert. Doch auch beim Seven Oaks trüben alkoholische Noten und ein insgesamt flacher Geschmack das Bild.

In der Wertung ausgedrückt heißt das: Einmal den dritten (4 Punkte) und zwei Mal den vierten Platz (jeweils 3 Punkte). Dies reicht in der Gesamtsumme für einen knappen dritten Platz aus.

Fazit: Sieben Eichen? Vielleicht hätten es zwei oder drei auch schon getan…denn vom Holz ist im Seven Oaks nicht viel zu schmecken. Dieser American Blended Whiskey sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr – nach starkem Start am Ende doch enttäuschend.

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Ranch Wood Kentucky Bourbon Whiskey von Penny im Test

Hinter seinem Fassstapel versteckt, wartet der Ranch Wood Whiskey von Penny auf den arglosen Durstigen. Im Duell um die goldene Billig-Bourbon-Krone kann auch der Penny-Whiskey eine eigene Duftmarke setzen.

Der Geruch wird in einer Bandbreite zwischen Fruchtaromen wie Zitronenschale und getrockneten Apfelringen, sowie Karamell – bis hin zu pikant-würzigen Noten wie Asche, kaltem Rauch und mit etwas Fantasie gebratenen Zwiebeln und Speck wahrgenommen. Das klingt doch mal nach einer gelungenen Westernpfanne!

Der Geschmack des Ranch Wood Bourbon ist von einer angenehmen Würzigkeit geprägt: Auf der Zunge wechseln sich leichte Holzaromen und Asche mit einer dezenten Würzigkeit ab. Wir schmecken Roggen/Rye, Laugengebäck, Zitronenschale und einen feinen Hauch Himbeergeist. Ein ganz großes Geschmacksfeuerwerk wird zwar auch beim Penny Whiskey nicht abgebrannt. Auch hier folgen auf die Aromen leider scharfe und bittere Noten. Dennoch in Anbetracht des Preises eine solide Vorstellung!

So wählen die Tester Penny’s Ranch Wood Whiskey im Vergleichstest überraschend auf den ersten Platz (jeweils 6 Punkte)!

Fazit: Gut geschossen, Pistolero! Der Ranch Wood Whiskey von Penny trifft in seiner Preislage voll ins Schwarze. Und verweist im Blind-Tasting sogar den Platzhirschen Jim Beam White Label überraschend auf den zweiten Platz!

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Der Platzhirsch: Jim Beam White Label Bourbon Whiskey im Test

In unserem Einzeltest hat der Jim Beam White Label damals nicht besonders gut abgeschnitten. Doch wie schlägt er sich im Blind-Tasting gegen die fünf günstigen Discount-Herausforderer? Tatsächlich kann er schon im Geruch mit wesentlich mehr Aromen punkten: Jimmy riecht nach Wald und Kiefernnadeln, nach Baumharz und Vanille. Immer wieder kommt eine leichte Klebstoffnote durch, metallisch lässt uns dieser Revolverheld unter den Kentucky Bourbons im übertragenen Sinne Blei schmecken.

Auch geschmacklich passiert doch noch etwas mehr im Mund: So sorgen Vanille, Apfelmus, Zuckerrohr und pflanzliche Aromen wie Moos, Baumrinde und junges Holz für einen fast schon grünen Geschmack. Wäre da nur nicht der leicht brennende Abgang, der doch anzeigt, dass wir es hier eben doch nicht mit einem ganz großen Bourbon zu tun haben.

In der Blindverkostung reicht das am Ende nur für den zweiten Platz. Interessanterweise sind sich die Tester in ihrer Wertung einig. Knappe Entscheidung, herbe Enttäuschung für Jimmy und eine dicke Überraschung im großen Discounter-Bourbon-Test!

Unser Fazit: So viel Whiskey kriegt man für 6,99 Euro

„Fünf gegen Jimmy“, lautete das Motto unseres Blind-Tastings. Denn an dem Marktführer in Sachen Bourbon Whiskey muss erst mal einer vorbeikommen. Zwar ist Jim Beam ein paar Euro teurer als die 7-Euro-Whiskeys aus unserem Test. Und doch darf man vermuten, dass sie eine ähnliche Kundschaft ansprechen. Dafür spricht auch das ziemlich dreist abgekupferte Design einiger Flaschen. Jimmy setzt hier seine Duftmarke – und enttäuscht im Test nicht: Es handelt sich bei ihm um einen günstigen, unkomplizierten Bourbon, der gegenüber den ganz billigen Flaschen etwas mehr Komplexität und Aromen bietet.

Nur einer schaffte es im Blind Tasting an Jimmy vorbei: Pennys Ranch Wood Kentucky Bourbon Whiskey gelingt die Überraschung. Wir fanden ihn angenehm würzig und unkompliziert zu trinken. In seiner Preislage liegt er im Vergleich zu den anderen Supermarkt-Whiskeys eine Pferdelänge vorne!

Die Herkunft ist nicht immer Trumpf

Doch unser Test zeigt auch: Nicht jeder Bourbon muss gut sein, bloß weil er aus Kentucky kommt. So fiel etwa der Western Gold von Lidl in Geruch und Geschmack glatt durch. Auch der Westpoint Bourbon von Aldi konnte geschmacklich nicht wirklich überzeugen.

Gleich zwei American Blended Whiskeys versuchten ihr Glück im Blind Tasting: Mit sehr unterschiedlichem Ergebnis. Während der George Washington von Edeka an der Grenze zur Ungenießbarkeit entlangschrammt, konnte der Seven Oaks von Rewe ein Achtungsergebnis einfahren. Er lässt sogar die echten Kentucky Bourbons von Aldi und Lidl hinter sich.

Der Duft ist Top – der Geschmack oft Flop

Aus der Perspektive des Genießers betrachtet, sind alle getesteten Whiskeys eine Enttäuschung: Selten flammt so etwas wie eine vielschichtige oder runde Kombination aus Geruch und Geschmack auf. Die billigen Bourbons riechen dabei überwiegend besser, als sie schmecken. Im Mund geht es teilweise steil bergab, viele der verkosteten Whiskeys schmecken sehr dünn und flach, ein starker Alkoholgeschmack überdeckt eventuell vorhandene Aromen. Etwas mehr Reifezeit im Fass hätte diesen Whiskeys sicher gut getan.

Anders sieht es natürlich aus, wenn man seinen Bourbon am liebsten mit Cola oder in Longdrinks genießt. Wir haben dies hier bewusst nicht getestet, da man mit Cola ja praktisch alles trinken kann. Abhängig vom Mischverhältnis schmeckt man die Spirituose einfach gar nicht mehr durch, alle Eigenaromen werden von der zuckrigen Mischung überdeckt. Als Drink auf einer Party mag das in Ordnung sein und hierfür sind Jim Beam, Ranch Wood, Seven Oaks und West Point gut geeignet. Mit Abstrichen auch Western Gold. Nur Edekas George Washington wünschen wir wirklich niemandem ins Glas.

Wer nicht auf die „Handvoll Dollar“ achten muss, findet in der Kategorie ab 15 Euro jedoch weitaus bessere Bourbon Whiskeys, die komplexere Aromen mitbringen und auch pur Spaß machen. Genannt seien an dieser Stelle zum Beispiel Four Roses, Bulleit Bourbon, Buffalo Trace und Evan Williams. Sie kosten zwar 2-3 mal soviel wie die billigsten Flaschen aus dem Supermarkt – doch der Genuss ist es in unseren Augen wert. Oder wie ein altes Sprichwort aus dem Wilden Westen besagt: „Schicke nie den günstigsten Pistolero in einen Wettkampf mit dem Teufel.“

Die besten billigen Whiskeys – unsere Rangliste:

Platz 1: Ranch Wood von Penny

Platz 2: Jim Beam White Label

Platz 3: Seven Oaks von Rewe

Platz 4: Clarkes Westpoint von Aldi

Platz 5: Western Gold von Lidl

Platz 6: George Washington von Edeka


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3 Responses to Fünf gegen Jimmy: Discounter-Bourbon-Whiskeys von Aldi, Lidl & Co. im Test

  1. Kevit says:

    Ein sehr schöner und fairer Test. Leider war der „Old Fellow Kentucky Bourbon“ von Norma, der schon viele Anhänger gefunden hat, nicht dabei gewesen. Würden evtl die Karten anders gemischt.

  2. Kevit says:

    Nachdem ich alle im Test genannte Sorten ausprobiert habe, stimme ich den Testern zu. Ranchwood ist ein Knaller! MMn ist eindeutig aromatischer als JB, Jimmy ist vllt etwas weicher.
    Seven Oaks aus ReWe würde ich ganz hinten platzieren, der kanadische Zusatz liegt mir gar nicht.
    Der hier nicht getestete Old Fellow aus Norma hätte den Platz 3 verdient.

  3. Benny says:

    Dass der „Clarkes Westpoint“ aus dem Aldi 1:1 dem penny Packer Whisky entspricht,ist lange kein Geheimnis mehr.
    Früher hatte ich den Clarkes ,also den Penny Packer besser in Erinnerung.
    Irgendwas wurde da verändert,von einem leckeren Bourbon ist nicht mehr viel übrig,ich bin überrascht wie stark er plötzlich Brennt und Klebstoff war da früher definitiv nicht zu schmecken.
    Meine letzte Flasche war von 2015 und die war noch okay.Heute habe ich mir den penny Packer erneut gekauft (März 2017) und der ist echt überraschend brennend/alkoholisch mit starker klebstoffnote geworden.
    Wieso kann man nicht einfach mal etwas so lassen wie es ist 🙁

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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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