Whisky

Veröffentlicht am 18. September 2016 | Foto: Alkoblog

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Wolkenkratzer-Whisky: Benromach 35 Jahre im Test

Die wachsende Bekanntheit unseres kleinen Spirituosen-Blogs bringt es mit sich, dass Brennereien immer öfter auf die Idee kommen, uns eine Kostprobe ihrer neuesten Abfüllung zuzuschicken. Darunter sind obskure Kräuterliköre vom Balkan oder aus Bayern, solide deutsche Craft Gins und natürlich auch der eine oder andere leckere schottische Single Malt. Wir freuen uns natürlich über derartige Samples – und ein bisschen mehr noch darüber, wenn wir nach dem Auspacken nicht irgendeinen seltsamen ungereiften Kornbrand in den Händen halten, sondern einen Whisky vom Schlage eines Benromach 35 Jahre. Der ist kein kleiner Malt mehr, er ist schon vom Alter her ein richtiger Wolkenkratzer-Whisky.

35 Jahre, das ist nicht nur im wahren Leben eine halbe Ewigkeit. Im Fall des Benromach bedeutet es auch, dass der Whisky kurz nach der Abfüllung ins First Fill Sherry-Fass die Schließung der Destillerie verkraften musste: Im Jahr 1980 destilliert, gingen 1983 bei Benromach die Lichter aus. „Mothballed“ – eingemottet, wie die Schotten diesen Zustand liebevoll nennen. Erst zehn Jahre später kam mit Gordon and MacPhail ein neuer Eigentümer an Bord. Für unseren Whisky änderte sich erst mal nichts. Sommer und Winter kamen, er lag in seinem Lagerhaus im Fass. Jedes Jahr verschwand etwas von dem Whisky, die Angel’s holten sich ihren Share.

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Wer einen richtig guten Whisky herausbringen möchte, braucht einen langen Atem. Er darf sich nicht von kurzfristigen Trends und der verlockenden Möglichkeit zum schnellen Geld verleiten lassen, seine Fässer zu früh abzufüllen. Er muss ein gutes Cask auch einfach einmal liegen lassen. Bis 35 Jahre rum sind und feststeht: Dieser Malt ist reif für den Genuss.

Unser Tasting des Benromach 35 Jahre

Wie riecht er?

benromach-35-boxDer volle Duft von frisch gebackenem Apple Crumble mit Vanillesauce. Wie Honig und dennoch keineswegs klebrig, eher eine reife und würzige Süße wie von Orangenmarmelade. Dazu Pralinen mit dunkler Schokolade, überhaupt Kakao. An Früchten riechen wir neben Äpfeln vor allem rote Beeren wie Brombeeren oder Johannisbeeren. Auch dunkle Sherrynoten sind dezent wahrzunehmen. Hinten ist das Holz vielschichtig aufgestapelt, man kann das hohe Alter förmlich riechen. Lässt man den Benromach 35 etwas atmen wird er leicht mineralisch, kitzelt mit frischer Minze unsere Tester-Nasen.

Wie schmeckt er?

Die reichhaltigen Frucht-Fanfaren sind hier zurückgenommen, ja leiser gedreht. Stattdessen fährt der Benromach 35 viel Holz auf. Von der Zigarrenkiste über lackiertes Holz bis zum Obstgehölz reichen dabei die vielschichtigen Holznoten. Die Süße ist wie schon im Nosing sehr ausgewogen, erinnert an Honig und hausgemachten Schokopudding. Ein sahniges, cremiges Mundgefühl ergänzt den Eindruck eines reifen Dessert-Whiskys.

Dabei reagiert er ständig mit der Luft und ändert alle paar Minuten seinen Geschmack: So überwiegen im ersten Moment die mineralischen Noten, ist der Benromach fast kieselig, dann wieder prägen herbe Limettenschale und Zigarrenrauch das Bild, dann wieder sind es die schon erwähnten würzig-süßen Dessertnoten, die den Ton angeben.

Hinweis: Da es sich beim Benromach 35 Jahre um einen Sammler-Whisky handelt verzichten wir bei dieser Flasche auf die Bewertung des Preis-Leistungsverhältnisses.

 

Alkoblog.de Whisky-Test: Benromach 35 Jahre

Gestaltung
Geruch
Geschmack

Fazit von Lukas: Der Benromach 35 Jahre ist ein wahrer Wolkenkratzer-Whisky: So hoch wie das Alter, so vielfältig ist er in Geruch und Geschmack. Die lange Lagerung im First Fill Sherry-Cask hat dem Speyside-Whisky gut getan: Tiefe Fruchtnoten, eine würzige Süße mit deutlicher Tendenz zu Dessert-Aromen und das vielschichtige Holzbouquet zeichnen diesen Ausnahme-Whisky aus. Im Geruch ist er vielleicht sogar noch eine Spur stärker als im Geschmack - dennoch ein Geheimtipp unter den Single Malts über 30 Jahre.

4.8

Ausgezeichnet



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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