Whisky

Veröffentlicht am 6. Oktober 2014 | Foto: Alkoblog

0

Toast mit Erdbeermarmelade: Benromach 10 Jahre im Test

Wenn man an die Speyside denkt, fallen einem schnell die großen Namen ein: Aberlour, Balvenie, Glenfiddich, vielleicht auch Macallan. Dabei sind die kleineren Destillerien wie Glen Moray in meinen Augen eigentlich viel spannender. Weil sie mehr experimentieren, um zum Beispiel ein besonderes Finish zu erhalten. So auch Benromach in Forres bei Elgin – eine Destillerie die viele sicher nicht auf ihrer persönlichen Whisky-Landkarte haben. Ich bisher ehrlich gesagt auch nicht.

Benromach: Kleinste Destillerie der Speyside

Umso größer die Überraschung, als ich vor ein paar Wochen ein Paket erhielt. Darin eine Flasche des 10-jährigen Benromach. Ihm hat man dieses Jahr gerade eine neue, schickere Verpackung spendiert. Kupferglänzend schimmert der Karton, die Flasche soll an die Form der Brennblasen erinnern. Netter Nebeneffekt der schönen Hülle: Dreht man den Deckel des Kartons um, hat man einen Ständer für seinen Benromach-Whisky.

Benromach ist die kleinste Destillerie der Speyside und eine der kleinsten in Schottland: Nur rund 500.000 Liter Whisky werden hier pro Jahr hergestellt. Seit 1993 gehört die Brennerei den unabhängigen Abfüllern Gordon and MacPhail. Der 10-jährige Benromach wurde 2009 das erste Mal verkauft,  hat also keine besonders lange Tradition. Doch das muss ja nichts heißen…

Endlich mal wieder ein Age-Statement

Ich habe mich nicht nur gefreut, einen Whisky einen mir bis dahin unbekannten Brennerei zu erhalten, sondern auch darüber, dass es ein Age-Statement ist. Dass man sich über sowas mal freuen wird, hätte man vor wenigen Jahren wohl auch kaum gedacht. Doch es stimmt: Die meisten neuen Single Malts auf dem Markt kommen ohne Altersangabe aus. Und um ehrlich zu sein, die wenigsten No-Age-Statements haben mich bis jetzt überzeugt.

Natürlich habe ich gleich ein wenig recherchiert: Der Benromach 10 Jahre reift zu 80 % in Bourbonfässern, zu 20 % in großen Sherry-Hogsheads. Im letzten Jahr erhält er dann noch ein Finish in süßeren Oloroso-Sherryfässern. Das klingt nach einer runden und ziemlich klassischen Mischung. Genauso präsentiert sich der Benromach auch: Auf der Packung wird der „classic pre-1960s Speyside character“ versprochen. Schön balancierte Frucht mit einem leichten Hauch Rauch soll er haben.

Wollen wir doch mal sehen, was wir in unserem Benromach 10 Test alles herausschmecken:

Unsere Verkostung des Benromach 10

Wie riecht er?

Es gibt nur wenige Whiskys, die einen beim ersten Schnuppern gleich an die Hand nehmen und einem das wohlige Gefühl geben, zuhause zu sein. Benromach 10 ist einer dieser raren Malts. Vanille umspielt unsere Nase, dann breitet sich ein malziger Duft aus. Wir riechen Getreide, ein wogendes Weizenfeld entsteht vor dem inneren Auge. Der feine, leicht säuerliche Geruch nach Kiwi und grünen Äpfeln liegt in der Luft. Wir entdecken Cassis, aber auch Weintrauben in der Mischung. Der Sherry ist deutlich erkennbar. Hinten ist der junge Benromach dezent rauchig mit einer salzigen Meeresbrise. Lässt man ihn länger stehen, verliert er an Kraft, wirkt dann ein wenig staubig wie alte Bücher in einer Bibliothek. Am besten wartet man also nicht zu lange mit dem Genuss.

Wie schmeckt er?

Ist die Duftprobe doch deutlich von fruchtigen Aromen geprägt, gibt sich der Benromach 10 auf der Zunge eher ernst. Getreidige, malzige Aromen sind sehr präsent. Uns hat er spontan an den Cragganmore 12 erinnert, ebenfalls ein komplexer, nur leicht fruchtiger Speysider. Spannung schafft der Benromach im Mittelteil mit seinen ausgeprägten Röstaromen: Wie ein krosser Toast mundet er hier. Ein anderer Tester will sogar Bratkartoffeln geschmeckt haben. Hinten macht der Sherry den Raum dicht, der Malt wirkt trocken und adstringierend. Eine dezente Rauchigkeit rundet ihn ab, verleiht ihm ein gemütliches Finish.

Aufschließen ist Pflicht!

Der Benromach 10 wird mit 43 % Alkohol abgefüllt, verträgt also einige Tropfen Wasser. Was heißt vertragen: Er blüht richtig auf! Breiter, runder, voller trumpft der Speysider auf. Die Aromen verstärken sich noch einmal deutlich. Wir schmecken krossen Toast mit Butter und Erdbeermarmelade. Der Sherry kommt stärker raus. War der Benromach ohne Wasser schon gelungen, mit ein paar Tropfen aufgeschlossen, ist er schlicht fantastisch.

Kennt ihr Benromach schon? Was haltet ihr von diesem Speyside-Whisky?

Alkoblog.de Whisky-Test: Benromach 10

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Der Benromach 10 ist das perfekte Beispiel für einen unterschätzten Speyside-Whisky: Komplex und vielschichtig zieht er uns mit Röstaromen und Sherrynoten in seinen Bann. Ein ausgewogener und gemütlicher Malt, der eine größere Aufmerksamkeit verdient hat. Die Preis-Leistung (aktuell 35-40 Euro pro Flasche) ist sehr gut.

4.4



Schlagworte: , , , , ,


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


Nach oben ↑