Portugal ist bekannt für Portwein und Madeira. Kann Whisky geschmacklich von diesen Fässern profitieren? Im Bild der Blick auf den Tejo bei in Lissabon. (Foto: Alkoblog)

Portugiesen muss man mit Whisky gar nicht erst kommen. Zwar gibt es in Restaurants und Bars schon den ein oder anderen Standard-Blend zu trinken. Ein richtiger Portugiese wird sich aber stets an die nationalen Weinbrände Portwein oder Madeira halten. Auch ich konnte mich vor kurzem bei einer Reise nach Lissabon, in einer kleinen Weinhandlung, von der Qualität dieser aufgespritteten (mit Alkohol versetzten) Weine überzeugen. Ähnlich wie Cognac, sind auch die portugiesischen Branntweine sozusagen gefallene Engel. Früher beliebt, haben sie in den letzten Jahren an Popularität eingebüßt. Die verkauften Stückzahlen sind tendenziell rückläufig. Der Umsatz steigt jedoch. Man scheint sich also weitestgehend auf das Premium-Segment zu konzentrieren.

Mut zum Fass bei BenRiach: Whisky mit Madeira-Finish

Vermutlich liegt es aber nicht an den durch den geringeren Absatz freigewordenen Fässern, dass die Speyside Destillerie BenRiach nun eine Abfüllung mit Madeira-Finish herausgegeben hat. Vielmehr zeigt der Trend mittlerweile für viele Whiskyerzeuger in die Richtung, neue Wege gehen zu wollen und mit vielen verschiedenen Eichenholzfässern zu experimentieren. Eine kleine Revolution auf dem sonst lange Jahre relativ statischem Whiskymarkt.

Der BenRiach Madeira reifte insgesamt 15 Jahre in Holzfässern. Den größten Teil davon in amerikanischen Bourbonfässern. Erst dann verlieh das abschließende Finish in ehemaligen Madeirafässern dem Whisky den letzten Schliff. Abgefüllt wird dieser BenRiach mit 46% Alkohol. Auf Kühlfiltierung und Nachkolorierung mit Zuckerkulör wird verzichtet. Hat sich der Aufwand gelohnt? Finden wir es heraus im Whisky-Test!

The BenRiach Madeira Wood im Whisky-Tasting

Wie riecht er?

Ein angenehmer Duft von Vanillecreme (Creme Brûlée) weht mir aus dem Tasting-Glas entgegen. Der Madeira-Wood 15 scheint im Nebenerwerb Holzfäller zu sein, denn er hat viel Holz dabei. Fruchtige Pfirsiche, gezuckerte Aprikose, salzige Oliven und mineralisches Tuffgestein runden den Duft mit südlichem Flair ab. Ein nicht übermäßig komplexer Duft, dennoch ausgewogen und rund.

Wie schmeckt er?

Der mineralische Charakter hat sich auch in den Geschmack herübergerettet. Fruchtig, voll und würzig liegt der BenRiach Madeira 15 auf der Zunge. Weiterhin ist viel Holz im Malt, zusätzlich sind dunkles Karamell und charakteristische Haselnüsse zu schmecken. Die Lagerzeit im ehemaligen Madeira-Fass war nicht umsonst: Der Einfluss ist eindeutig zu erkennen. An Früchten ist weiterhin Pfirsich im Glas, abgerundet durch den herben Geschmack von Mandarinenschale. Im Abgang ist der Madeira 15 dann noch mal wuchtig und intensiv mit Zimt, Süßholz (Lakritz). Mit längerer Standzeit wird der Whisky trockener und gesetzter im Geschmack. Es lohnt sich also nur hin und wieder am Tasting-Glas zu nippen und die Entwicklung des Geschmacks über die Zeit zu beobachten.

Wir danken unserem Tasting-Partner Weisshaus-Shop für die Zusendung des BenRiach Madeira 15.

BenRiach Madeira 15 Jahre
Gestaltung & Story88
Geruch82
Geschmack88
Preis-Leistung88
87
Fazit
Das Madeira-Finish ist der BenRiach Destillerie gut gelungen. Der Whisky ist rund und ausgewogen im Geschmack. Überzeugen kann er mit einen angenehmen Zusammenspiel von Süße und Würzigkeit. Für den fortgeschrittenen Whiskygenießer, der etwas abseits der Standards probieren möchte eine Empfehlung. Sofern der Malt mit einem Preis um 50 Euro angemessen bepreist ist.

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