Whisky

Veröffentlicht am 25. März 2015 | Foto: Martyn Jenkins / Flickr

2

Vokuhila-Whisky aus der Speyside: BenRiach 17 Jahre Solstice im Test

Der Benriach 17 Solstice ist ein Vokuhila-Whisky: Vorne kurz, hinten lang. Oder anders gesagt: Das Beste kommt bei diesem Malt zum Schluss. Auf unserer Speyside-Reise sind wir 2014 an Benriach praktisch vorbeigefahren. Wir waren sogar in Elgin, allerdings bei Glen Moray. Ich weiß nicht ob man in diesem Fall schon von einem blinden Fleck sprechen kann, jedenfalls verkosten wir heute unseren ersten Whisky von Benriach.

Benriach will raus aus der zweiten Reihe

Die Benriach-Destillerie galt lange Zeit eher als Name aus der zweiten Reihe. Ich nenne es das klassische Speyside-Phänomen: Wer nicht wirklich etwas Außergewöhnliches versucht (Balvenie) oder über die Größe punktet (Glenfiddich, Macallan), der wird bei rund 60 aktiven Destillerien leicht übersehen. Doch seit einiger Zeit versucht Benriach sich mit neuen Abfüllungen hervorzutun. Es gibt eine Reihe mit speziellen Finishes (von Pedro Ximenez über Madeira und Sauternes bis zu dunklem Rum), diverse Age-Statements (12, 16, 20, 25, 30, 40 Jahre) und die Peated-Serie. Letzterer würden wir auch den Benriach 17 Solstice zuordnen, ziert doch sogar ein „heavily peated“ den Karton – auf der Webseite läuft der Whisky aber unter „Super Premium and Limited Releases“. Da soll mal einer durchblicken…

Die Fakten zum Benriach Solstice 17 Second Edition

Angenehm offen ist Benriach bei den Fakten: Die hier vorgestellte zweite Edition des Benriach Solstice war demnach zwei Jahre länger im Fass als der 15-jährige Vorgänger. Destilliert aus stark getorfter gemälzter Gerste kommt der New Spirit zunächst in Bourbon-Fässer, bevor er final noch mal an Tawny Port-Fässern schnuppern darf. Uns erwartet also eine hoffentlich spannungsreiche Mischung aus Torf und Port. Das alles in einer Abfüllung mit starken 50 Prozent Alkohol.

Unser Whisky-Test

Vielversprechend funkelt der Benriach Solstice (das bedeutet übrigens ‚Sonnenwende‘) im Glas: Ein rötlicher Farbton, der an Kupfer erinnert. Wirklich eine ungewöhnliche Farbe für einen Whisky und vermutlich eine Folge der Portweinfasslagerung.

Wie riecht er?

Ein dunkler Geruch, feuchter Torf und Moorboden. Ein Herbstspaziergang bei Dämmerung. Wir riechen Kalk und reife Zwetschgen. Dazu würzige und dezent nussige Noten von Zimt und Walnuss. Ein Pflaumenkuchen mit Zimt. Unterlegt von Rauch. Verbrennt da jemand Laub oder hat die Heizperiode schon begonnen? Insgesamt ein warmer, gemütlicher Geruch.

Wie schmeckt er?

Erster Eindruck: Dieser Whisky schmeckt nach Port. Süß-säuerlich und zugleich trocken. Anders als wir vom Geruch her erwartet hätten, gibt es keine Früchte. Auch sonst wirkt er schmaler und kürzer. Viel Magie passiert bisher nicht auf der Zunge. Die eigentlich Show fängt für den Benriach Solstice an, wenn er die Bühne namens Mund schon verlassen hat: Ein intensiver Geschmack nach verbranntem Holz, Grillkohle und Asche bleibt zurück. Dazu Holz, sehr viel Holz. Der Whisky bleibt lange im Mund zurück, sogar etwas Baumrinde ist zu schmecken. Auf Dauer wirkt diese Vokuhila-Kombination etwas streng. Wieso passiert da im Mittelteil nicht mehr? Fast entsteht der Eindruck, dass Port und Torf die anderen Aromen des Single Malts überdecken. Und die 17 Jahre hätten wir bei einer Blindverkostung wohl auch nicht erkannt, dazu drängen sich Rauch und Port zu sehr in den Vordergrund.

Wir danken dem Weisshaus-Shop für die Zusendung des Benriach 17 Solstice Peat. 

Alkoblog.de Whisky-Test: Benriach 17 Solstice

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Wer keinen Port mag, sollte Abstand von diesem Whisky halten: Der Benriach 17 Solstice schmeckt ziemlich intensiv nach der Weinspirituose. Zusammen mit dem Torf ergibt sich ein kontrastreicher Geschmack, der aber erst im Nachgang richtig zum Tragen kommt. Gerade im Mittelteil passiert uns für einen Whisky dieses Alters zu wenig. Die rund 70 Euro pro Flasche würden wir anders anlegen.

3.3



Schlagworte: , , , , ,


2 Responses to Vokuhila-Whisky aus der Speyside: BenRiach 17 Jahre Solstice im Test

  1. Donrickone says:

    Habe selten eine unzutreffendere Whisky Review gelesen.
    Vergleicht man euren Bericht mit denen von zahlreichen „Whiskytestern“ z.B.auf Youtube findet man durchweg conträre Meinungen. Mir persönlich bietet dieses Masterpiece eine Explosion an verschiedenen Geschmäckern .Leider ist der Preis aufgrund der grossen Nachfrage gestiegen.

  2. Oceanman says:

    Stimme Donrickone vollständig zu. Der Solstice ist einer jener handwerklich richtig gemachten Whiskies ohne den Blick auf das schnelle Geld,wie wir ihn von ordentlichen Brennereien wie z.B. Glenfarclas gewohnt sind: Schwer, tief, alt, gleichzeitig frisch. Ein wenig wie Ritter Sport Trauben Nuss mit Rum, wenn es ein Vergleich sein soll, aber eigentlich eher unvergleichlich. Das einzige, was die Sache noch besser machen könnte – aber das ist jetzt sehr persönlic!h – wäre noch etwas mehr Rauch, denn der wird bei der ‚Geschmacksexplosion‘ und dann nach dem zweiten und dritten Schluck sowieso etwas ausgeblendet. Aber das ist bei allen rauchigen Whiskies mehr oder weniger so, vor allem bei Nachreifungen.

    Zu teuer? Liebe Leute, der Solstice ist billiger als das NAS Produkt Lore von Laphroaig! Nicht dass der schlecht wäre, aber für einen jungen Designer-Whisky extrem überteuert. Nur so als Beispiel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


Nach oben ↑

Mehr in Whisky
Whisky mit Geweih: Dalmore 12 Jahre im Test

Was röhrt denn da im Unterholz? Der Dalmore 12 gibt sein Stelldichein im Whisky-Test. Was hat dieser Einsteiger-Scotch zu bieten

Schließen