Whisky

Veröffentlicht am 12. Juli 2015 | Foto: Alkoblog

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Doppelt verkostet: Balvenie DoubleWood 17 Jahre im Test

Eigentlich wollte ich diesen Artikel ja „Eine Woche mit Balvenie 17 nennen“. Doch das klang mir dann doch etwas zu versoffen. Allerdings hatte ich den Balvenie Double Wood tatsächlich mit im Koffer, als ich letzte Woche zum Wandern im Erzgebirge war. balvenie-17-double-wood-flascheUnd wie sich herausstellen sollte, war der Speyside-Whisky genau der richtige Zeitgenosse für einen abendlichen Schluck und ein gemütliches Kennenlernen beim Tasting.

Die Dose des Balvenie DoubleWood 17 ist wirklich ein Schmuckstück: In Bordeauxrot gehalten und mit sandweißer und goldener Typografie gestaltet ist sie wirklich ein Hingucker im Regal. Sie hebt sich einfach sehr wertig von den anderen Flaschen ab und wirkt dabei dennoch relativ zeitlos. Das Flaschenetikett kann nicht ganz mithalten, hier wirken die Informationen zur Fass-Lagerung doch ein wenig gedrängt und der Text insgesamt zu übermächtig.

Doppelte Lagerung mit Bourbon und Sherry

Es klingt ein wenig skurril, aber die namensgebende Besonderheit des Balvenie Double Wood ist eigentlich gar keine mehr: Single Malts mit doppelter Reifung, die sowohl im Bourbon- als auch im Sherry-Fass gelagert wurden, gibt es mittlerweile ja wie Sand am Meer. Doch die experimentierfreudige Balvenie-Destillerie aus der Speyside war eine der Ersten, die mit mehrfach gereiften Whiskys an den Start ging. Und so erklärt sich auch, warum man die „Whisky Oak“ und „Sherry Oak“-Lagerung so stolz auf Dose und Flasche des Double Wood erklärt.

Warum dieser Whisky erst mal atmen muss

Genug gequatscht, jetzt ist Zeit für ein Dram. Nach dem Entkorken solltet ihr diesen Whisky unbedingt etwas atmen lassen. Als ich den Balvenie 17 ganz frisch geöffnet hatte, fand ich ihn zunächst überraschend scharf und alkoholisch. Erst mit mehr Sauerstoff entfaltet sich dieser Speysider und gibt seine feinen Aromen preis. Da ich den Malt während meiner Wanderwoche gleich mehrfach verkostet habe, sind die folgenden Notizen kombiniert aus meinen verschiedenen Zetteln. Und wie bei anderen Whiskys zuvor ist auch hier die Erkenntnis: Je mehr man sich auf einen neuen Malt einlässt, umso reicher wird man mit neuen Eindrücken belohnt.

Zwei Tastings des Balvenie 17 DoubleWood

Wie riecht er?

Bei der ersten Verkostung empfängt mich der Balvenie Double Wood 17 mit einer klebrigen, zähen Süße. „Riecht fast gar nicht wie ein Whisky“, meint auch meine im Schnuppern an Whiskygläsern inzwischen erfahrene Begleiterin. Der Sherry ist markant, aber auch eine feurige Schärfe, die an Chili erinnert. In Wellen kommen weitere süße Aromen zum Vorschein: Shortbread und Butterkekse, Panna Cotta, Vanille. Dann stärker würzig: Eine Werkbank mit frisch gesägtem Holz, ein feuchter, modriger Wald mit Moos.

Beim zweiten Tasting schon ausgewogener: Würzig, reif und pfeffrig im Beginn, fast cremig im Mittelteil. Wieder Vanille, Panna Cotta, aber auch rote Beeren, Birne, Mirabelle und Zitronen. Ein üppiger Malt. Die Würzigkeit jetzt stärker gebunden mit etwas Zimt. Im Abgang wieder deutlich der Sherry. Wirklich fordernd dieser Whisky!

Wie schmeckt er?

Hier gehen die Eindrücke der zwei Tastings noch stärker auseinander: Bei der ersten Verkostung habe ich den Balvenie 17 DoubleWood als ungewohnt streng, alkoholisch mit starkem Sherry wahrgenommen. Er ist sehr viel dunkler und würziger als der DoubleWood 12 Jahre. Wärmend mit Salmiak, dazu Sauerkirschen und schwarze Johannisbeeren. Im Abgang eine dunkle Holznote und Trockenfrüchte. Alles in allem war ich zunächst nicht begeistert.

Ganz anders das zweite Tasting, nachdem die Flasche schon einige Tage offen war und der Malt ordentlich Sauerstoff schnuppern durfte: Intensiv, zackig und herb wirkt er immer noch. Aber auch würzig und einfach recht trocken. Der Sherry prägnant, aber gut eingebunden. Anders als bei anderen Malts erdrückt er die feineren Aromen nicht. Ich schmecke Trockenfrüchte, Rosinen, getrocknete Pflaumen. Holz und Tabak steuern würzige Noten bei. Er ist leicht süß und dennoch würzig und ernst. Ein vielfältiger und komplexer Whisky.

Wir danken Whiskyonline24.de für die Zusendung des Balvenie DoubleWood 17.

Alkoblog.de Whisky-Test: Balvenie Doublewood 17

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Wer einen bequemen Easy-going-Whisky wie den Balvenie DoubleWood 12 Jahre erwartet, liegt falsch: Der 17-jährige aus gleichem Hause gibt sich kantig, jeder Eindruck will erarbeitet werden. Doch wer sich auf den steilen Pfad einlässt, wird am Ende reich belohnt: Mit vielfältigen Aromen und einer Tiefe, die lange zu begeistern weiß.

4.5



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One Response to Doppelt verkostet: Balvenie DoubleWood 17 Jahre im Test

  1. Ein ausgezeichneter Tropfen: Schmeckt mir persönlich sehr gut. Nebenbei: Toll geschriebener Test, kann ich nachvollziehen 🙂

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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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