Whisky

Veröffentlicht am 8. Januar 2015 | Malerische Lage: Balvenie-Destillerie | Foto: Alkoblog

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Waldspaziergang: Balvenie 15 Jahre Single Barrel im Test

Ein bisschen bedauere ich es ja schon, dass wir auf unserer Whiskyreise durch die Speyside letztes Jahr nicht doch noch die Destillerie-Tour bei Balvenie mitgenommen haben. Wir hatten aber auch keine Chance: Gut zwei Wochen vorher war im Mai 2014 alles schon komplett ausgebucht. Balvenie ist eben sehr begehrt. Vermutlich lag es auch daran, dass die Führungen unter der Woche nur zweimal täglich stattfinden und auf acht Teilnehmer begrenzt sind. So mussten wir mit dem (übrigens sehr malerischen) Blick auf die Lagerhäuser von Balvenie vorlieb nehmen und uns mit einem Single Malt trösten. Was vorweg gesagt, nicht die schlechteste Idee ist: Denn Balvenie ist in der Whiskywelt weithin bekannt für seine gelungenen Abfüllungen.

Single Barrel: Ein Fass – rund 350 Flaschen

Der Balvenie 15 Jahre gehört zur eher seltenen Kategorie der Single Barrel-Whiskys. So bezeichnet man Single Malts, welche aus nur einem Fass abgefüllt werden. Normalerweise werden eine ganze Reihe von Fässern einer Destillerie vor der Abfüllung gemischt, um einen möglichst einheitlichen Geschmack zu erhalten. Nicht so bei diesem Whisky: Ein Fass wird in etwas über 350 Flaschen abgefüllt. Und so kann es gut sein, dass unser Fass mit der Nummer 10916 ein wenig anders schmeckt, als andere Fässer bzw. Flaschen des selben Whiskys. Andererseits trauen wir Balvenie schon ein ordentliches Qualitätsmanagement zu: Es ist also eher unwahrscheinlich, dass die Wahl des 15-jährigen Single Malts zur Lotterie wird.

Bei Balvenie wird noch vieles selbst gemacht

Wie man an den Daten auf dem Etikett ablesen kann, war der gute Tropfen sogar noch ein wenig länger im Fass. Aber da bei schottischen Whiskys nur vollständige Jahre zählen, bleibt es bei der 15 auf dem Label. Auf der Rückseite wird eine weitere Besonderheit von Balvenie erläutert: So ist die Destillerie eine der wenigen, die noch ihre eigene Gerste anbaut, diese selber mälzt und den Whisky nach dem Brennen in eigene Fässer füllt. In der weit verzweigten Whisky-Industrie heute eine Seltenheit und natürlich ein weiterer Grund, warum die 35 Pfund teuren Führungen von Balvenie so gut ausgebucht sind.

Welchen Balvenie 15 Single Barrel habt ihr?

Falls ihr den Balvenie 15 Jahre Single Barrel auch bei euch stehen habt, dann schaut doch mal, welches Fass ihr habt und postet es in den Kommentaren. Wir sind gespannt, ob ihr womöglich etwas ganz anderes riecht oder herausschmeckt. Wir werden unsere Flasche 206 aus Fass 10916 jetzt jedenfalls öffnen und verkosten.

Unser Tasting des Balvenie 15 Single Barrel

Wie riecht er?

Balvenie 15 Single Barrel Flasche

Balvenie Single Barrel: Flasche 206 aus Fass 10916

Dieser Whisky geizt nicht mit seinen Reizen: Angenehm vollmundig und fruchtig eröffnet er die Führung durch seine Aromenwelt. Süße und Säure halten sich dabei angenehm die Balance. Wir schnuppern an Brombeeren, an Waldfruchtmarmelade und etwas Pflaumenmus. Ein Hauch Zimt weht herüber. Dieser Whisky-Waldspaziergang macht uns Spaß. Der Duft von Bourbon-Vanille und Lavendel wird mit dem von Holz (Sägespäne!) kontrastiert. Der Balvenie 15 lässt einen spüren, dass man es mit einem reifen, etwas älteren Whisky zu tun hat. Ein vielschichtiger Zeitgenosse, der hoffentlich auch im Geschmack die Erwartungen erfüllen kann.

Wie schmeckt er?

Zunächst voll und reif im Geschmack, überrumpelt uns der Balvenie fast mit seiner Trockenheit. Deutlich ist das Eichenholzfass zu schmecken, welches diesem Malt seinen Stempel aufdrückt. Der Whisky bleibt mittellang am Gaumen, hat ein eher kurzes Finish, welches von eben diesen Holznoten geprägt ist. Er schmeckt eher ernst, hat weniger Frucht als erwartet. Doch das macht ihn keine Spur schlechter: Eine feine Säure zieht sich durch den Geschmack, zudem prickelt der Balvenie 15 leicht auf der Zunge wie ein frischer Wein.

Dieser Whisky braucht etwas Wasser!

Mit seinem erhöhten Alkoholgehalt von 47,8 Prozent freut sich der Balvenie förmlich, wenn man ein paar Tropfen Wasser hineintröpfelt. Er blüht deutlich auf: Sein Aroma wird würziger, wir schmecken Sandelholz, Tabak und eine kleine Portion getrocknete Kirschen. Auch die Holznote ist jetzt noch ausgeprägter, sie erinnert ein wenig an die Bauklötze, an denen man als Kind immer gelutscht hat (ich zumindest). Wer hätte gedacht, dass ich diesen Geschmack noch einmal wieder entdecke? Eine leicht pikante Salzigkeit verleiht diesem exzellenten Single Malt seinen finalen Schliff.

Alkoblog.de Whisky-Test: Balvenie 15 Single Barrel

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Eindrucksvoll zeigt uns der Balvenie 15 Single Barrel, dass Speyside-Whiskys nicht so massenkonform sein müssen, wie die der Konkurrenz von Glenfiddich gleich nebenan: Ein reifer Single Malt mit schönen Waldfrucht-Noten, der im Geschmack stark vom verwendeten Holzfass geprägt ist. Die besondere Art der Abfüllung lässt sich Balvenie mit rund 75 Euro gut bezahlen. Ob die anderen Single Barrels tatsächlich anders schmecken?

4.4



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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