„Frau Doktor, ich hab da mal eine Frage!“ Pepe Nietnagel, die Kultfigur der alten Filmreihe „Die Lümmel von der ersten Bank“, will es wieder mal wissen. Nämlich die Aussprache eines vermeintlich englischen Worts: „brathering“. Und ganz brav tappt die gute Frau Doktor in die gestellte Falle und spricht die beliebte deutsche Delikatesse englisch aus „brä-the-ring“, die Klasse johlt, der Zuschauer lacht. Haha! Was für ein Brüller…zumindest in den 60er-Jahren.

So staubig wie abgefilmte Theaterstücke auf VHS-Kassette

Ähnlich eingestaubt wie dieser Filmsketch erscheint mir auch der Geschmack des Ballantines Whisky: Der ist so trocken wie eine der vielen Deutschstunden in der Schule, in denen wir irgendein abgefilmtes Theaterstück von Goethe oder Lessing auf einer alten Röhrenglotze anschauen mussten. Die Privatsammlung unseres Deutschlehrers, von diesen bei 3sat per VHS-Rekorder mitgeschnittenen Grausamkeiten, schien unbegrenzt zu sein. Einziger komödiantischer Höhepunkt dieser Unterrichtsform war die Tatsache, dass der Videorekorder und der Fernseher sich jede Stunde weigerten ein Bild zu produzieren und unser Lehrer deshalb immer verzweifelter auf den Tasten der Fernbedienung und an den Geräten herumdrückte, bis sich einer von den Jungs aus der Klasse erbarmte (meistens so nach 20 Minuten) und die Geräte in Betrieb nahm. Meistens reichte es, den Stecker des Videorekorders wieder einzustecken, der sich rätselhafterweise immer vor den Deutschstunden wie von selbst zu lösen schien…

Bekannter und beliebter Scotch Blend

Hinter Ballantines steckt keine Whisky-Destillerie, sondern ein Blender. Bereits 1827 eröffnete George Ballantine in Edinburgh einen Wein- und Spirituosenladen und experimentierte mit dem Verblenden von verschiedenen Whiskys. Sein Ziel: Aus den damals unbeständigen Whiskyqualitäten durch Vermischen eine gleichbleibende Qualität zu erhalten. Anscheinend gelang dies mit einigem Erfolg. Und so wuchs das Unternehmen beständig. Heute werden jedes Jahr weltweit über 50 Mio. Liter Ballantine’s Whisky verkauft.

Die Zusammensetzung von Ballantines Finest ist ein Geheimnis des Master Blenders: So weiß man nur, dass über 40 verschiedene Whiskys enthalten sein sollen. Nichts bekannt ist über die Namen bzw. Destillerien der Malts. Es sollen wohl Whiskys aus vier schottischen Regionen verwendet werden: Speyside, Highlands, Islands und Lowlands. Ein Buch mit sieben Siegeln also. Wir versuchen trotzdem hinter die Fassade des beliebten Whisky-Blends zu schauen.

Unser Tasting des Ballantine’s Finest Scotch Whisky

Wie riecht er?

Das ist ein Ding: So jung und schon in der Flasche! Der Ballantines Finest ist kein Whisky-Teenager, sondern ganz klar Krabbelgruppe. Viel New Make in der Nase. Dann etwas süßlicher, mit Aromen von Apfel. Mild und unauffällig schleicht dieser Blend dahin und will niemanden aufrütteln. Hält man seine Nase etwas länger ins Glas, füllt sich diese mit dem süß-säuerlichen Duft von vergorenem Obst und Obstler. Ein etwas muffiger Geruch, der Ballantine’s müsste mal gründlich durchgelüftet werden. Eine leichte, sehr dezente Rauchnote schwebt dazwischen und wertet die Malaise etwas auf.

Wie schmeckt er?

Um bei den Schulmetaphern zu bleiben: Der Ballantines ist zurückhaltend wie ein schüchterner Schüler und bieder wie ein Hornbrillen-Lehrer. Mit so einem Geschmack ist im Whisky-Test nicht viel zu holen. Staubig wie eine lange nicht mehr gelüftete Bibliothek. Eine feine Rauchnote liegt darüber, bringt wenigstens etwas Pepp in die Sache. Leider kann der Ballantines Whisky daran aber nicht anknüpfen. Zwar schmecke ich ledrige Aromen, eingelegte Rosine, Apfel und Kakao-Kekse. Insgesamt ist die Leistung auch für einen günstigen Scotch Blend mangelhaft, Versetzung gefährdet.

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Ballantines Scotch Whisky
Gestaltung & Story68
Geruch46
Geschmack44
Preis-Leistung60
55
Langweiler
Fazit
Staubig, dröge, uninspiriert - der Ballantine's erinnert an Schulstunden der langweiligsten Sorte. Er traut sich geschmacklich wenig und fällt damit hinter andere Scotch Blends der selben Preisklasse zurück. Natürlich kann man ihn trinken, natürlich kann man ihn mischen - aber wer will ernsthaft diesen Langweiler in seiner Klasse haben? Einziger echter Pluspunkt ist die eckige Flasche: Die passt prima unters Lehrerpult und rollt dabei nicht weg.

1 Kommentar

  1. warum wird er bei jim murrays bibel 2016 mit 96 punkte bewertet?ich selbst finde ihn auch nicht so schlech wie hier beschrieben.und ich habe auch schon einige whiskys getestet!ich bin der meinung es gibt keine schlechten whiskys es gibt nur welche die sind halt besser.

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