Whisky

Veröffentlicht am 21. Juni 2015 | Leere Fässer bei Ardbeg| Foto: Ardbeg

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90% Bourbon, 10% Sherry: Ardbeg Uigeadail im Test

Die Betitelung von Whiskyflaschen ist für die Destillerien eine schwierige Aufgabe: Der Genießer möchte angemessen über den Inhalt informiert werden, die Marketing-Abteilung möchte möglichst viele Flaschen verkaufen. Ein griffiger Name soll her, um im dichten Flaschendschungel bemerkt und gekauft zu werden. Drei verschiedene Titelvarianten sind besonders beliebt:

  1. Klassisch mit Alter, teilweise flankiert von Zusätzen wie Single Cask oder Cask Strength, ist (noch) die häufigste Variante und gibt dem Whiskykenner einen schnellen Überblick.
  2. Kombinationen von klassisch und modern, sie werden häufig für NAS-Whiskys wie zum Beispiel Laphroaig Triple Wood, Auchentoshan Three Wood oder auch Ardmore Legacy erdacht und sollen dem Genießer einen Eindruck von der (besonderen) Herstellung des Whiskys geben oder die besondere Bedeutung herausstellen.
  3. Fantasiereich, die Flasche wird mit einem mythisch angehauchten Titel versehen, der sich häufig aus dem Gälischen und der schottischen Geschichte oder der näheren Umgebung der Destillerie ableitet. Dies soll auf die lange Whiskytradition hinweisen und den Whisky mit einer spannenden Bedeutung aufladen.

Zu letzterer Kategorie gehört auch der Ardbeg Uigeadail (gesprochen in etwa: Oog-a-dal). Die Bezeichnung bedeutet soviel wie „Mystischer Ort“ und stammt von einer der Wasserquellen von Ardbeg, dem Loch Uigeadail oberhalb der Destillerie. Für die Abfüllung werden Whiskys aus Bourbon-Fässern (90%) verwendet, die um einen kleinen Anteil aus Sherry-Fässern (10%) ergänzt werden. Dies soll den Ardbeg Uigeadail, im Gegensatz zu dem doch recht wuchtigen Ardbeg 10 Jahre, süßer und fruchtiger machen. Ob das geklappt hat?

Der Ardbeg Uigeadail im Whisky-Tasting

Wie riecht er?

Rauchig und torfig wie es sich für einen richtigen Ardbeg gehört, steigt auch der Ardbeg Uigeadail in das Nosing ein. Mit einer ausgeprägt holzigen Note fühlen wir uns fast in einen Baumarkt versetzt. Doch da sind auch würzige Kräuter (Rosmarin), fettiger Speck sowie süße Marshmellows. Ergänzt wird der Duft durch Bittermandeln. Vom Geruch her spannender als der 10-jährige, dessen Wand aus Rauch und Torf schon legendär ist.

Wie schmeckt er?

Erster Unterschied zum Ardbeg 10: Rauch und Torf wirken weniger stark, wohl durch den Zusatz der Whiskys mit Ex-Sherryfass-Lagerung. An die Stelle des Ardbeg-Lagerfeuers tritt eine angenehme Süße, aber auch eine alkoholische Note. Es wirkt ein wenig so, als ob das jüngere Alter des NAS-Whiskys durch die anderen Noten nur kaschiert wird. Doch das kann auch Geschmackssache sein, in jedem Fall wirkt der Ardbeg Uigeadail jünger als der 10er. Die Geschmackskombination aus Torfrauch und Sherry wirkt nicht ganz rund, rutscht teilweise ins süßlich parfümig/seifige ab. Mit angenehmen Aromen von Kaffee und dunkler Schokolade klingt dieser Islay Malt aus.

Alkoblog.de Whisky-Test: Ardbeg Uigeadail

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Sam: Im Whisky-Test kann uns der Ardbeg Uigeadail nicht vollständig überzeugen: Die durch die Sherryfässer eingebrachte süßliche Komponente ist zwar interessant, wirkt aber aufgesetzt und kann sich nicht so recht gegen den typischen Ardbeg Rauch und Torf behaupten. Kein schlechter Whisky und interessant für alle, die eine Variante zum klassischen Ardbeg 10 Jahre suchen. Uns hat im Tasting aber der letzte Kick gefehlt.

3.8



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Über den Autor

Sam

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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