Die Ardbeg-Destillerie auf Islay war in der Vergangenheit auch schon in Schieflage. Ein Whisky aus dieser Zeit ist der Ardbeg Twenty Something 23 Jahre. (Foto: Alkoblog)

Es ist nur etwas über 20 Jahre her, da sahen die Zeiten für die Islay-Destillerie Ardbeg gar nicht mal so rosig aus. Auf eine erste Stilllegung der Produktion im März 1981 folgte die Wiedereröffnung im Jahr 1989. Doch schon im Juli 1996 erlosch die Flamme unter den Pot Stills erneut. Die Zukunft damals: Höchst unklar.

Nur durch den persönlichen Einsatz einiger lokaler Whisky-Enthusiasten um Mickey Heads (heute Distillery Manager) und die Übernahme der Destillerie durch Glenmorangie konnte das Ende von Ardbeg im Jahr 1997 abgewendet werden. Doch als Folge der immer wieder unterbrochenen Whisky-Herstellung dieser Periode fehlen bestimmte Jahrgänge von Ardbeg-Whiskys heute in den Warehouses. Gerade die alten Ardbegs sind daher besonders gefragt.

Ein Relikt aus unruhigen Tagen: Der Ardbeg Twenty Something

Wie ein Gruß aus fernen und zugleich dunklen Zeiten mutet daher der soeben abgefüllte Ardbeg Twenty Something an. Den kalten Brennblasen zum Trotz lagerte dieser Whisky unbekümmert weiter in den Warehouses vor sich hin. Auf die Auswirkungen dieser unsicheren Zeiten soll auch der Name des Ardbeg Twenty Something aufmerksam machen. Denn welche Fässer tatsächlich abgefüllt wurden, bleibt im Nebel der Geschichte verborgen. Und so kann man nur spekulieren, dass einige Malts in der Abfüllung vielleicht sogar älter als 23 Jahre sind. Sicher ist jedoch, dass die enthaltenen Whiskys aus Ex-Bourbon und Ex-Sherryfässern stammen. Abgefüllt wird die Ardbeg-Sonderedition mit kräftigen 46,3 % – es gibt also etwas Spielraum, um mit einer Pipette und Wasser zu experimentieren und den Single Malt so aufzuschließen..

Limitierte Auflage für Mitglieder des Ardbeg Committee

Es ist keine große Überraschung, dass die Menge an 23-jährigem Ardbeg natürlich begrenzt ist. Genaueres über die Zahl der Flaschen, die in den Verkauf gehen, wurde vorab aber nicht bekannt. Was hingegen feststeht: Nur Ardbeg Committee-Mitglieder haben ab dem 02. November 2017 die Chance, eine der raren Flaschen zum gehobenen Preis von 480 Euro zu ergattern.

Glücklicherweise muss man um Mitglied zu werden, nicht erst ehrenamtlich auf Islay Torf stechen oder eine Still auf Hochglanz polieren. Bequem und gemütlich vom warmen Sofa aus kann man es über 120.000 Mitgliedern gleichtun und online seinen Aufnahmeantrag eingereichen. Glück gehabt!

Doch lohnt sich die Abfüllung überhaupt? Wir erhielten exklusiv die Gelegenheit den Ardbeg Twenty Something vorab für das Alkoblog zu verkosten.

Der Ardbeg Twenty Something wird mit 46,3 Prozent abgefüllt und ist garantiert 23 Jahre alt. (Foto: Ardbeg)
Der Ardbeg Twenty Something wird mit 46,3 Prozent abgefüllt und ist garantiert mindestens 23 Jahre alt. (Foto: Ardbeg)

Unser Tasting des Ardbeg 23 Jahre Twenty Something

Wie riecht er?

Ein schöner Duft nach geräuchertem Holz und Torf hüllt diesen Whisky ein. Sein seidiger und anschmiegsamer Geruch sorgt dafür, dass wir unsere Nase gerne länger als üblich über dem Glas halten. Zwischen würzigem Holz (man denke an ein holziges Eau de Parfum von Tom Ford) und Kiefernadeln kommt der süßliche Duft von Vanille, Marzipan und Herrenschokolade durch. Dazu etwas Traube-Nuss und getrocknete Früchte wie Rum-Rosinen und Pflaumen. Ein anspruchsvoller Geruch, der viele Nuancen bereithält und bei dem die Mundwinkel nach oben gehen.

Wie schmeckt er?

Im Mund ist der Ardbeg Twenty Something kräftig, intensiv und nicht ohne eine gewisse Schärfe. Wie bereits im Geruch spielt der Malt mit differenzierten Holz- und Rauchnoten. Wir schmecken dunkle Schokolade mit Nüssen und Rosinen sowie frische Vanilleschoten. Auch Trockenfrüchte wie Pflaumen und Feigen sind zu erkennen. Darüber hinaus weist der 23-jährige Ardbeg eine fruchtig-pfeffrige Schärfe auf, die auch nach dem letzten Schluck noch etwas im Mund zurückbleibt.

Ardbeg Twenty Something 23 Jahre
Gestaltung & Story90
Geruch94
Geschmack92
92
Exzellent
Fazit
Der Ardbeg Twenty Something ist ein Malt, der nicht mit der Vielzahl an Aromen, sondern mit seiner Gesamtkomposition punkten kann. Ausgeprägter Rauch, würziges Holz, fruchtige und schokoladige Noten sorgen für ein ausgewogenes Geschmackserlebnis. Im Abgang hinterlässt der 23-jährige Ardbeg eine angenehme Schärfe auf der Zunge. Ein sehr guter Islay-Whisky, der auf Grund seiner Limitierung und des Kultstatus von Ardbeg wohl leider schon bald vergriffen sein wird. Da es sich vorrangig um einen Sammler-Whisky handelt, bewerten wir die Preis-Leistung in diesem Fall nicht.

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