Whisky

Veröffentlicht am 2. Juni 2015 | Foto: Alkoblog

0

Auf dem Trockenen: Ardbeg Perpetuum im Test

Ein Perpetuum mobile ist eine Maschine, die – einmal in Gang gesetzt – ohne weitere Zufuhr von Energie ewig in Bewegung bleibt und arbeitet. Ob Ardbeg eine solche Maschine in seinen verwinkelten Gebäuden auf Islay versteckt hält? Das könnte erklären, wie die Destillerie es schafft, Jahr für Jahr gleich mehrere Special Editions unters Volk zu bringen. Letztes Jahr waren es immerhin drei Abfüllungen, welche die Fanwelt auf Trab hielten. Der Ardbeg Perpetuum ist dieses Jahr der erste neue Whisky von Ardbeg – doch wir wissen ja nicht, was da noch kommt…

Im Pressetext zu dem Single Malt pflegt man derweil die schon gewohnte Geheimniskrämerei: „Die limitierte Abfüllung enthält einige sehr alte und junge Ardbeg Destillate, seidige Noten aus Bourbonfässern, würzige Anteile aus Sherryfässern und in die Zukunft weisende Überraschungen.“ – kurzum eine ziemliche Wundertüte, die Ardbeg uns für rund 80 Euro Preisempfehlung schmackhaft machen will.

ardbeg-perpetuum-test

Der Ardbeg Day, ein witziger Kindergeburtstag für Männer mit Outdoor-Spielen, BBQ-Catering und natürlich Whisky, bot am vergangenen Samstag den passenden Rahmen, um den Perpetuum zu präsentieren. Klar, dass da ein Tasting nicht fehlen durfte. Trotz aufkommenden Windes haben auch wir unsere Nasen ins Nosing-Glas gehalten – und verraten euch hier, ob der Perpetuum sich lohnt:

Unser Tasting des Ardbeg Perpetuum

Wie riecht er?

Der typische Ardbeg-Torfrauch setzt hier die erste Duftmarke: Ein warmer, trockener Geruch nach Grillfeuer und Asche. Dabei würzig-süß nach Zimt, Creme Brulée, Vanillepudding, Birnen und Rosinen. Diese Noten drängen sich nicht auf, sondern entfalten sich mit zunehmender Aufwärmzeit. Mit Erde und an Gin erinnernden Wacholder führt der Perpetuum seinen Auftritt zum Höhepunkt.

Wie schmeckt er?

Den erhöhten Alkoholgehalt von 47,4 % merken wir nur im ersten Moment, denn sofort drängen sich auch hier die Aromen von Torf, Rauch und Grillfeuer in den Vordergrund. Der spezielle Geschmack des Torfs ist dabei typisch für Ardbeg (wie ein direkter Vergleich der Range zeigt). Im Mund erstaunt in der Folge vor allem die große Trockenheit dieses Whiskys. Der Oloroso-Sherry steuert hier ebenfalls eine trocken-holzigen Note bei. Ansonsten ist der Perpetuum ein herber, salziger, männlich wirkender Whisky. Nur etwas Puderzucker und Lakritz bilden ein dezent süßes Gegengewicht zu dem rauen und einnehmenden Geschmack nach Leder, Kies, Sand, Moor und Tannenharz. Auf Dauer wirkt er fast bitter, also definitiv kein bequemer Whisky, der es allen recht machen möchte. Sehr langer Abgang, der die reifen Noten zur Entfaltung bringt.

Im Vergleich: Ardbeg Perpetuum vs. Uigeadail

Nur Interessehalber haben wir uns noch eine Probe vom Ardbeg Uigeadail zum Vergleich geholt. In der direkten Gegenüberstellung wirkt der Perpetuum deutlich reifer, beim Uigeadail waren junge Noten stärker vertreten. Der kräftige Torf wird beim Uigeadail mit einer Süße kontrastiert, die ins Parfümige tendiert. Der Perpetuum bedient demgegenüber eher die herben, trockenen Geschmacksnoten und wirkt insgesamt älter.

Alkoblog.de Whisky-Test: Ardbeg Perpetuum

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Samuel: Der neue Perpetuum dreht die Geschmacksschraube bei Ardbeg in die trocken-herbe Richtung: Erdig, mineralisch, ledrig, aber auch etwas bitter. Mit etwas Geduld gelingt es, die verschiedenen feinen und teilweise durchmischten Aromen voneinander zu trennen. Alles in allem kein "easy-drinking" Whisky, sondern eher eine neue Kombination von altbekannten Aromen. Dazu passt das lateinische "perpetuum" - das kann nämlich auch "beständig" heißen.

3.7



Schlagworte: , , , , ,


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


Nach oben ↑

Mehr in Whisky
Sommer, Sonne, Sonnenschein: BenRiach Madeira 15 Jahre im Test

Die Lagerung von Whisky in ehemaligen Bourbon- und Sherryfässern ist ein alter Hut. BenRiach versucht sich nun mit einem Whisky-Finish mit portugiesischen Fässern. Wie sich die Lagerung von Whisky in...

Schließen