Whisky

Veröffentlicht am 8. Juni 2017 | Foto: Alkoblog

0

Russische Fässer und ein Wassergeist: Ardbeg Kelpie im Test

Am letzten Samstag fand der Ardbeg Day 2017 in Berlin statt. Wer dieses Spektakel noch nicht kennt: Der Ardbeg Day ist eine Art Kindergeburtstag für Männer. Es gibt witzige Gruppenspiele, dazwischen den ein oder anderen Dram und am Ende wird ein neuer Whisky feierlich vorgestellt.

Angeln für Ardbeg: Wer mehr Boote als das gegnerische Team herausholte, bekam ein Dram spendiert (Foto: Alkoblog)

Dieses Jahr drehte sich alles um den Kelpie – einen legendären Wassergeist, der die neue Ardbeg-Abfüllung nicht herausrücken wollte. In Disziplinen wie Schiffe angeln, Wasser-Memory, einem Wackellabyrinth-Tisch und einer Hängepartie am Dreizack galt es Energiepunkte für den „Lobster“ zu sammeln, der schließlich mit Superkräften in einem Wrestling-Duell gegen das Kelpie antrat.

Obwohl das Kelpie wirklich fiese Tricks einsetzte und den Lobster mit einem Netz fesselte und sogar mit einer Nadelpistole am Boden festtackerte, konnte das Gute am Ende obsiegen. Ein Glück, sonst wären die rund 500 Besucher wohl durstig nach Hause gegangen…

Der Lobster war am Ende siegreich – und so konnte der Ardbeg Kelpie verkostet werden (Foto: Alkoblog)

So aber hatten wir die Chance, den neuen Ardbeg Kelpie zu verkosten. Vor einigen Wochen ist schon das traditionell in Fassstärke abgefüllte Committee Release mit 51,7 % erschienen, beim Ardbeg Day 2017 gab es nun die Abfüllung in leicht reduzierter Stärke mit 46 % Alkohol.

Russische Fässer für den Ardbeg Kelpie

Wie uns Ardbegs Master Distiller Dr. Bill Lumsden im Interview verriet, hat er die Fässer für den Kelpie in Russland gekauft. Genauer stammen sie wohl aus der südrussischen Republik Adygeja, welche unweit des Schwarzen Meeres liegt und bestehen aus europäischer Eiche (siehe auch malt-review.com).

Ardbegs Master Distiller Dr. Bill Lumsden verkostet den Kelpie (Foto: Alkoblog)

Folgt man der Erzählung von Dr. Bill Lumsden, dann ist in diesem Fässern ein ziemlich heftiger Stoff herangereift:

„Vor gut zwei Jahren habe ich die Fässer verkostet. Ich war schockiert! Der Geschmack war viel zu stark! Viel zu spicy, extrem viel Holzeinfluss im Whisky. Also habe ich den Whisky mit unserem klassischen 10 Jahre alten Ardbeg geblendet. Das Herzstück des Rezeptes, also ungefähr 45 % besteht aus diesem verrückten, schrägen Whisky aus den russischen Fässern. Und fertig war der Ardbeg Kelpie.“

Wenn man böswillig ist, könnte man also auch sagen: Der Whisky aus den Russenfässern war so unrund und rumpelig, dass er ihn nicht als Single Cask herausbringen wollte. Zum Glück konnte der Whisky durch großzügige Zugabe des soliden 10-jährigen Standards „gerettet“ werden. Wir werden gleich im Tasting sehen, ob da etwas dran ist oder der Ardbeg Kelpie für sich alleine stehen kann.

Wer oder was ist ein Kelpie?

Das Kelpie beim Ardbeg Day 2017 mit seiner Schatzkiste (Foto: Alkoblog)

Und da wäre da noch das Kelpie. Das mythische Wesen stammt aus der keltischen Mythologie und hat Ähnlichkeit mit einem Pferd. Seine Haut soll der einer Robbe ähneln und dabei „weich und kalt wie der Tod“ sein. Der Legende nach können Kelpies eine andere Gestalt annehmen, um so Männer in eine Falle zu locken.

Eine von mehreren schottischen Kelpie-Sagen: Es wird berichtet, dass einmal ein Mann zu seiner kranken Frau möchte und dabei den Fluss Don überqueren musste. Die hölzerne Brücke war weggespült worden, aber ein groß gewachsener Mann bot großzügig an, den Ehemann über das Wasser zu tragen. Der Ehemann war einverstanden – doch als sie zur Mitte des Flusses kamen, stellte sich heraus, dass der Träger in Wahrheit ein Kelpie war. Dieses versuchte nun, den arglosen Ehemann unter Wasser zu ziehen. Der Ehemann konnte sich jedoch befreien und ans Ufer retten. Das zornige Kelpie warf ihm daraufhin noch einen Felsbrocken hinterher. Diesen soll man heute noch in Corgarff, einer Ortschaft in Aberdeenshire, am Wegesrand sehen können.

Was hat das Kelpie mit dem Whisky zu tun? Garnichts.

Die Marketing-Abteilung hat einfach nach einer hübschen Geschichte gesucht, um dem Whisky ein spannendes Flair zu geben. Hierzulande macht man das gerne mit Likören. Die heißen dann im Harz zum Beispiel Brockenhexe oder Grubenlicht und bedienen sich so mythischer Gestalten oder versuchen einen Bezug zu einem Kapitel der regionalen Geschichte herzustellen. In beiden Fällen hat das Getränk natürlich nicht das geringste damit zu tun, aber es macht natürlich dennoch mehr Spaß als einen Whisky zu trinken, der zum Beispiel 17/520/76 heißt – bloß weil das halt auf dem Fass steht.

Unser Tasting des Ardbeg Kelpie

Wie riecht er?

Rauch und Torf markieren den Einstieg des Ardbeg Kelpie. Verbranntes Holz trifft auf fleischige Noten. Würziger Räucherspeck, dazu erstaunlich viele „grüne“ Noten wie Gras, Blätter, Birkenblüten und Moos. Ein trockener Holzzaun in der Sonne, Lack und Fensterkitt. Erdige und salzige Noten, die den insgesamt dennoch süßen Charakter dieses Single Malts einrahmen.

Wie schmeckt er?

Ein süßlicher Ardbeg, dem Uigedeail ähnlicher als anderen Abfüllungen. Rauch und Torf kraftvoll wie gewohnt. In der Mitte dann schöne Noten von Schokolade, Schokopudding, der in Bitterschokolade übergeht. Diese Aromen sind kompakt angeordnet, ein Whisky der Zeit braucht und dann langsam mehr von sich preisgibt. Wir schmecken Kokossplitter und Meersalz. Der Abgang ist trocken mit verbranntem Holz und dem typischen Torfaroma, welches lange im Mund zurückbleibt.

Alkoblog.de Whisky-Test: Ardbeg Kelpie

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Was hat das Kelpie mit dem Ardbeg zu tun? Nicht viel. Hinter der netten schottischen Sage verbirgt sich ein süß-rauchiger Islay-Whisky und eine gelungene Variante der typischen Ardbeg-Aromen. Vor allem die schokoladigen Noten haben uns gut gefallen. Insgesamt nicht spektakulär, aber ein gelungener Whisky. Für einen No-Age-Statement finden wir den Preis von rund 100 Euro recht hoch angesetzt. Es ist zu vermuten, dass Ardbeg dennoch damit durchkommt. Der Kelpie ist auf ca. 60.000 Flaschen weltweit limitiert.

3.9



Schlagworte: , , , , , ,


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


Nach oben ↑

Mehr in Whisky
„Das Alter eines Whiskys ist für mich unwichtig“ – Ardbegs Master Distiller Dr. Bill Lumsden im Interview

Im Exklusiv-Interview spricht Ardbegs Whisky-Professor über russische Fässer, welcher Holzart er seit 20 Jahren hinterherjagt und warum ein guter Whisky kein Alter braucht

Schließen