Dieser Whisky ist eine Zumutung! Zumindest für die Geschmacksnerven. Denn der Ardbeg 10 Jahre ist einer der am stärksten getorften Whiskys der Welt und quillt förmlich über von markantem Torfgeruch und Geschmack.

Natürlich sind viele Malts von der Küste oder den Inseln getorft. Oder rauchig. Und genau diese Unterscheidung zwischen Torf und Rauch fällt einem als Einsteiger – wir reden da aus eigener Erfahrung – häufig schwer. Wer also mal richtig Torf schmecken möchte, wird beim Ardbeg 10 gut bedient. Doch was ist Torf eigentlich und wie kommt er in den Whisky? Eine kurze Einführung:

Torf im Glas: Ein gutes Stück schottische Erde

Torf ist ein Zersetzungsprodukt aus pflanzlichen Fasern. Er entsteht überwiegend in Mooren, wovon es in Schottland ja bekanntlich jede Menge gibt. Schaut man sich die Gesamtmasse Schottlands an, so sind immerhin mehr als 12% von Mooren bedeckt. Gäbe man Torf ein paar Millionen Jahre Zeit, würde man am Ende Kohle erhalten. Das wäre wahrscheinlich auch der effizientere Brennstoff. Da der Schotte (und wir auch) unseren Whisky aber lieber heute als in ein paar Millionen Jahren trinken möchten, wird der Torf zum Trocknen der Gerste verbrannt. Positiver Nebeneffekt: Der Torf kommt in den Whisky.

Wenn man getorften Whisky trinkt, hat man also auch gleichzeitig ein Stückchen ziemlich alte schottische Erde im Glas. Sorgen das man eines Tages die Überbleibsel eines Dinosauriers in seinem Nosing-Glas vorfindet, muss man allerdings nicht haben. Denn: Die Deckenmoore, aus denen das Torf für schottische Whiskys stammt, entstanden erst vor etwa 5000 bis 7000 Jahren – da waren T-Rex und Co. schon lange tot.

Und wir? Wollen das Torfmonster befreien und sehen was es im Whisky-Test drauf hat.

Die charakteristischen Kilns sind quasi die Wahrzeichen von Ardbeg auf Islay. (Foto: Alkoblog)

Unsere Verkostung des Ardbeg 10 Jahre

Wie riecht er?

Wer hätte es geahnt? Der Ardbeg 10 riecht kräftig torfig und erinnert uns mit seinem Duft an den Geruch der Berliner S-Bahn-Bremsen früher. Damals als sie noch regelmäßig fuhr und beim Einfahren in den Bahnhof schön quietschte. Auf seinem Bremsweg in unsere Nasen hinterlässt der Ardbeg eine Schneise der Verwüstung und verbrannte Erde. „Gestatten Ardbeg?“ „Unangenehm!“ – Kleiner Scherz, man gewöhnt sich erstaunlich schnell an den Geruch. Herbe Zitrusschale ist das einzig Fruchtige was wir wahrnehmen. Ansonsten: Salz, raue Taue, Lava-Gestein, Ton und ein muffiger Minenschacht – eine herbe, kräftige, maskuline Aromenwelt. Das macht mal Lust aufs Tasting!

Wie schmeckt er?

Eines gleich vorweg: Wenn man Ardbeg im Glas hatte, weiß man am Morgen danach, was man am Abend getrunken hatte. Der gute Junge macht einen ordentlichen Rauch-Atem! Der Geschmack: Markant, mineralisch, kompromisslos mit hohem Widererkennungswert. Ein Stück Grillkohle in flüssiger Form. Und da ist er auch wieder, der gute alte S-Bahn-Bremsklotz. Wir hatten zwar noch keine Gelegenheit, an einem zu lecken, aber ungefähr so müsste es schmecken. Die Zitrusaromen sind auch am Start: Grapefruit, Bitterlemon, Tonic Water – sehr gut eingebunden in eine dichte Wand aus Rauch und Torf. Ein paar vergorene Früchte und etwas Leder kommen beim genaueren Schmecken hinzu – aber der Ardbeg 10 lässt sich davon nicht beirren. Ein Mann, ein Whisky, ein Weg – könnte das Motto lauten.

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Ardbeg 10 Jahre
Gestaltung & Story76
Geruch86
Geschmack86
Preis-Leistung90
85
Fazit
Mit dem Ardbeg 10 kommt endlich mal wieder ein Torfmonster ins Glas. Und das hat ziemlich miese Laune. Doch wer endlich mal puren Torf schmecken möchte, kommt um den Ardbeg 10 praktisch nicht herum. Die ungestüme Kraft von Islay im Glas und ein heißer Tipp für die Hausbar!

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