Angostura ist für seine Bitters bekannt, hat aber auch eine große Rum-Tradition. Im Gespräch: Alkoblogger Samuel mit John Georges von Angostura. (Foto: Alkoblog)

In dem kleinen Karibik-Staat Trinidad und Tobago destilliert Angostura pro Jahr zwischen 12 und 15 Millionen Liter Rum. Dennoch ist die Marke Angostura bis heute hauptsächlich für ihre Aromatic Bitters bekannt. Zu Unrecht, wie uns Master Distiller John Georges im Gespräch auf dem Berliner Bar Convent 2016 versichern konnte. Denn auch beim Rum setzt man auf Spitzenqualität und verzichtet sogar auf das allseits beliebte Solera-Verfahren bei der Reifung.

Es gibt weltweit so viele Rum-Marken, warum sollte ich mich als Einsteiger für Angostura entscheiden?

Gerade wenn man mit Rum anfängt oder sich langsam an etwas Neues heranprobieren möchte, ist Angostura ein guter Start. Unser Rum hat vom Anfang bis zum Ende eine große Vielfalt im Geschmack, ist mild und rund. Gerade richtig, um als Einsteiger die große Bandbreite von Rum zu verstehen und zu entdecken.

Was macht Angostura Rum so besonders?

Viele Leute fragen mich: Wie sollte ein guter Rum schmecken? Ich antworte ihnen erst mal: Rum schmeckt auf jeden Fall nicht wie Hühnchen! (lacht) Zuckerrohr ist natürlicherweise leicht bitter und süß, daher kommt auch ein Großteil des natürlichen Geschmacks unserer Spirituose. Für mich hat ein guter Rum drei Phasen: Am Anfang ist er süß, dann kommen in der Mitte fruchtige Aromen und erst dann kommt zum Schluss der Geschmack des Holzfasses. Typisch für Rum sind Karamell, Fruchtnoten und viel Vanille. Ich glaube wir bei Angostura können durch die lange Erfahrung in der Rum-Herstellung diese Dynamiken sehr gut miteinander verbinden.Wir stellen einen Rum mit drei Geschmacks-Dimensionen her.

 Wie wichtig ist die Lagerung im Holzfass für den Rum-Geschmack?

Als Master Distiller kann ich dir sagen, es ist besonders wichtig einen guten Start-Rum zu haben. Ohne geht es nicht. Nur wenn du einen guten Rum mit einem guten Fass kombinierst, kommt ein perfekter Rum heraus. Natürlich sind für einen guten Roh-Rum auch gute Zutaten von großer Bedeutung. Für den richtigen Geschmack des Rums ist aber auch der Master Blender entscheidend. Jedes Fass entwickelt sich anders. Es ist die Aufgabe des Blenders einen konsistenten und guten Geschmack des Rums aus den verschiedenen Fässern zu mischen. Das Rum-Blending ist viel Übungs- aber auch viel Erfahrungssache.

Wie lange lagert Angostura Rum und ist das eine Lagerung im Solera-Verfahren?

Unsere Rums lagern nicht im Solera-Verfahren, sondern reifen ausschließlich in First-fill-Bourbon-Fässern. Dabei ist es meiner Meinung nach für den späteren Geschmack des Rums nicht so entscheidend, aus welcher Bourbon-Destillerie in Amerika die Fässer genau kommen. Unser Angostura-Rum wird mindestens 2 Jahre gelagert. Wenn eine Altersangabe auf dem Etikett steht wird bei Angostura stets der jüngste enthaltene Rum angegeben.

Sie verwenden auch eine besondere Hefe. Glauben Sie die Hefe ist entscheidend für den Geschmack?

Das ist tatsächlich schwer zu sagen. Unterschiedliche Hefen erzeugen bei der Fermentation der Melasse durchaus einen anderen Geschmack. Ich traue mir zu, meinen frischen Rum unter vielen anderen Sorten herauszuschmecken. Aber es ist schwer zu bestimmen wie groß der Anteil der Hefe an dieser geschmacklichen Besonderheit wirklich ist.

Man kann Rum aus Zuckerrohrsaft aber auch aus Zuckerrohrmelasse herstellen – wo liegt der Unterschied?

Rum aus dem Saft von Zuckerrohr ist als Cachaça oder Rhum Agricole bekannt. Rum destillieren ist für mich wie Musik machen. Du kannst einen Ton auf einer Violine spielen oder auf einem Klavier spielen – der Ton ist der gleiche und doch klingt es anders. So ist es auch bei Rum. Sowohl Rum aus Melasse als auch Rum aus Zuckerrohrsaft sind legitim, doch sie entwickeln andere Charakteristiken und ihren eigenen Geschmack. Ein klassischer Rum wird meiner Meinung nach jedoch aus Melasse hergestellt.

Angostura Rum hat eine deutsche Vergangenheit. Ist heute noch irgendetwas „Deutsch“ an der Destillerie?

Ja, das stimmt. Der deutsche Arzt Dr. Johann Siebert hat in Venezuela den Angostura Bitter als Medizin gegen Tropenkrankheiten erfunden. Er kämpfte auch an der Seite von Simón Bolívar in den südamerikanischen Befreiungskriegen. Nach seinem Tod im Jahr 1870 führten seine Söhne die Geschäfte weiter. Sie mussten aber 1875 nach Trinidad (heute Trinidad und Tobago) auswandern. Heute ist das Angostura eher ein trinidadisches Unternehmen. Aber eine unserer drei Stills ist nach einem deutschen Entwurf gefertigt worden. Wir hätten sie auch gerne in Deutschland herstellen lassen, doch das war leider zu teuer.

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