Whisky

Veröffentlicht am 11. Dezember 2016 | Foto: Alkoblog

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Whisky für die Engel: Der Angels‘ Share einfach erklärt

Für Whisky-Enthusiasten ist der Besuch eines der Warehouses während einer Destillerie-Tour der Höhepunkt. Der charakteristische und angenehme Duft von altem Holz und Whisky, lässt die Mundwinkel schnell nach oben gehen. Für diesen besonderen Geruch ist vor allen Dingen die Verdunstung von Whisky während der Lagerung verantwortlich – der sogenannte Angels‘ Share.

Was ist der Angels‘ Share?

Angels‘ Share bedeutet frei übersetzt so viel wie „Anteil der Engel“  oder in Bezug auf Whisky auch „Schluck für die Engel“. Mit dem Angels‘ Share wird allgemein der Anteil am Whisky bezeichnet, welcher während der Lagerung in Eichenholzfässern verdunstet und so für die spätere Whiskyabfüllung verloren geht. Der Whisky ist also sprichwörtlich „für die Engel“ bestimmt. Durch die Verdunstung von Whisky befindet sich viel Alkohol in der Luft, den man während eines Destillerie-Besuchs auch wahrnehmen kann.

Ist euch während einer Destillerie-Tour schon mal die schwarze Verfärbung von Bäumen, Hauswänden und vielen anderen Gegenständen in der Nähe aufgefallen? Diese Verfärbungen hängen ebenfalls mit dem Angels‘ Share zusammen, wenn auch nicht direkt. Die schwarzen Verfärbungen werden durch den Pilz Baudoinia compniacensis verursacht, welcher sich (klingt etwas nach Science Fiction) von verdampften Alkohol ernährt.

Im warmen trockenen Klima in Kentucky verdunstet mehr Wasser als Alkohol aus den Whiskeyfässern. (Foto: Alkoblog)

Äußere Einflüsse und der Angels‘ Share

Wie viel Whisky tatsächlich mit den Engeln geteilt werden muss, hängt stark von äußeren Einflüssen ab. Hierzu gibt es zwei häufige Varianten:

  • Unter überwiegend feuchten klimatischen Bedingungen, wie zum Beispiel in Schottland, verdunstet in der Regel mehr Alkohol als Wasser im Fass, so dass der Alkoholanteil der Spirituose während der Lagerung absinkt.
  • Unter überwiegend trockenen klimatischen Bedingungen, wie zum Beispiel in Kentucky, verdunstet hingegen mehr Wasser als Alkohol in den Eichenholzfässern. So ist zu beobachten, dass der Alkoholgehalt von Bourbon-Whiskey während der Lagerung in der Regel sogar noch ansteigt. Der Whiskey verlässt das Fass stärker als er hineingefüllt wurde.

Wie viel Whisky verdunstet pro Jahr aus dem Fass?

Wie viel Whisky tatsächlich aus den Whiskyfässern verdunstet, ist stark von äußeren Einflüssen wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck abhängig. Üblicherweise geht man bei der Whiskey-Herstellung von einem Angels‘ Share zwischen 1-2% pro Jahr aus. Bei einem Hogshead-Fass mit 250 Litern Volumen verdunsten so im ersten Jahr also ungefähr zwischen 2,5 und 5,0 Liter Whisky. Um diesen Verlust zu begrenzen, wird in den Warehouses auf ein möglichst kühles und feuchtes Klima geachtet.

Gemäß zollrechtlichen Bestimmungen ist der Verdunstungsanteil in Großbritannien übrigens auf maximal 2,5% pro Jahr begrenzt. Hoffentlich wissen das die Engel auch und mäßigen ihren Alkoholkonsum entsprechend…

Der Film: Angels‘ Share – Ein Schluck für die Engel

Um Whisky geht es auch in dem im Jahr 2012 von Ken Loach gedrehten Film „Angels‘ Share – Ein Schluck für die Engel„. Der junge Robbie muss nach einer Straftat gemeinnützige Arbeit verrichten. Während eines Ausflugs mit seinem Betreuer besuchen sie eine Destillerie, wo Robbies besonderes Verkostungs-Talent zum Vorschein kommt. Als er erfährt, dass bald eines der teuersten Whisky-Fässer versteigert werden soll, möchte er sich heimlich einen Anteil daraus abzweigen, um so ein sorgenfreies Leben zu beginnen. Kann diese illegale Aktion gut gehen? Der Film ist mittlerweile auf DVD zu sehen und nicht nur für Whisky-Fans sehenswert.


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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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