Gin

Veröffentlicht am 12. August 2014 | Foto: Alkoblog

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Preußische Tradition: Adler Berlin Dry Gin im Test

Habe ich schon erwähnt, dass ich dem Phänomen „Regional-Gins“ eher skeptisch gegenüber stehe? Klar, die Flaschen sehen meist hübsch aus und wenn man zufällig in swe Stadt oder Gegend wohnt, aus welcher ein bestimmter Gin kommt, dann freut man sich natürlich. Doch ich habe das Gefühl, dass bei vielen Abfüllungen nicht besonders auf den Inhalt geachtet wird. Frei nach dem Motto: Es ist regional, hat ein schönes Etikett, irgendwer wirds schon kaufen! Das gilt natürlich nicht nur für Gin, sondern für regionale Spirituosen allgemein. So zum Beispiel letztens beim Bazic Vodka: Ein Hamburger Vodka mit Sowjetstern, der an der Mosel gebrannt wird. Sorry, diese Geschichte überzeugt mich einfach nicht.

Adler Gin TestUmso mehr freue ich mich, dass sich hinter dem Adler Berlin Dry Gin ganz solides Handwerk verbirgt. Destilliert wird dieser Gin in der Preussischen Spirituosen-Manufaktur. Diese hat tatsächlich eine lange Tradition. Schon 1874 wurde unter Kaiser Wilhelm I. von Preußen die „Versuchs- und Lehranstalt für Spiritusfabrikation“ eingerichtet und aufgebaut. Im nahe gelegenen Schulungsgebäude wurden Brenner und Destillateure ausgebildet. Man experimentierte vor allem mit Likören. Um 1900 brummt das Geschäft bei „Adler Spirituosen“. Erst die beiden Weltkriege setzten dem Bestehen der Regional-Destillerie ein vorläufiges Ende. In den 1950er Jahren gab es Versuche, die Marke Adler wiederzubeleben, die jedoch nicht von Erfolg gekrönt waren. Erst 2005 entdeckten ein TU-Professor aus Berlin und ein Hotelier die Manufaktur erneut und brachten wenige Jahre später den Adler Dry Gin auf den Markt.

Der Adler Berlin Dry Gin macht schon auf den ersten Blick viel her: Abgefüllt in einer transparenten Glaskaraffe mit Glasstopfen wirkt er sehr wertig. Wer noch keinen schweren, dunklen Eichenholz-Schreibtisch sein eigen nennt, kommt spätestens jetzt auf die Idee, sich einen zuzulegen. Auf ihm lässt sich diese Gin-Karaffe schließlich angemessen präsentieren. Das Etikett des Gins ziert ein stilisierter Adler, der mit seinen Schwingen die Buchstaben des Namens Adler bildet. Etwas altmodisch, aber auch irgendwie klassisch.

Gerade bei Regional-Gins wird gerne mit ausgefallenen Botanicals experimentiert. Ist dies auch beim Adler Dry der Fall – oder gibt sich der „preußische Gin“ ganz klassisch?

Unsere Verkostung des Adler Berlin Dry Gin

Wie riecht er?

Der preußische Gin-Adler wedelt mit seinen Schwingen ein vielschichtiges Spektrum an Aromen in unsere Verkoster-Nasen: Weiche, süße und florale Noten wechseln sich mit Früchten (insbesondere Wassermelone und Mandarine) ab. Der Wacholder ist bei diesem Gin sehr ausgeprägt. Typisch für einen klassischen Dry Gin! Doch Gewürze wie Anis, schwarzer Pfeffer und Zitronengras sorgen dafür, dass man als Genießer lange Freude an der vielschichtigen „Nase“ des Adlers hat.

Wie schmeckt er?

Im Mund ist erneut der Wacholder präsent, ohne jedoch aufdringlich zu wirken. Schon eher klopft hier der preußische Gardegeneral höflich an der Tür, um uns seine Aufwartung zu machen. Nonchalant! Viel Körper hat der Adler Dry Gin nicht. Blumige, weiche und leichte Aromen verleihen ihm einen sommerlichen Charakter. Dennoch verliert dieser Gin nicht seine Kante: Eine süße Note erinnert an Mandarine, der Geschmack von Fenchel prägt den Mitteilteil, es folgt herbe Zitrusschale. Im Abgang trumpft der Adler Dry mit einer ausgeprägten Trockenheit und einer pfeffrigen Schärfe auf, die ein wenig an den berühmten Chili Catch der Talisker Malts erinnert. Ein exzellent komponierter Gin!

Alkoblog.de Gin-Test: Adler Berlin Gin

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Mit seinen großen Schwingen hebt sich der Adler von der Vielzahl an durchschnittlichen Regional-Gins ab. In der schön gestalteten Flasche erwartet Genießer solides Destillateurs-Handwerk. Mit dezentem Wacholder und vielschichtigen Botanicals spielt sich der Adler Dry Gin in unsere Herzen. Ein wunderbarer Gin - auch als Geschenk für beste Freunde.

4.4



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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