Als wir während unserer Whiskyreise durch die Speyside in Aberlour Station machten, waren wir erstaunt: Hier, im Herzen der Speyside, unweit des Scotch-Whisky-Trails hätten wir eigentlich mit unzähligen Whisky-Fans gerechnet, welche die Straßen bevölkern und die Bars und Kneipen unsicher machen. Doch die High Street, die Hauptstraße von Aberlour, lag völlig verschlafen da. Wäre dies der Wilde Westen, dann würde wohl spätestens jetzt ein Busch vorbeirollen.

Durch den kleinen Ort Aberlour fließt die Spey. (Foto: Alkoblog)

Obwohl wir keine Touristen im Ort erspähen können, gibt es dennoch kaum freie Zimmer. Notgedrungen übernachten wir zum stolzen Preis in einer vegetarischen Bio-Farm, die auf einem grünen Hügel in der Nähe liegt. Vor unserer Destillerie-Tour bei Aberlour (Startzeit: 10:00 Uhr) ist ein zünftiges Full Scottish Breakfast als solide Grundlage eigentlich schon fast Pflicht. Auf unserer Bio-Farm gab es aber leider nur vegetarische Gemüsepuffer.

Im Anschluss wollen wir uns heimlich bei der lokalen Take-Away-Fettbraterei mit einem fettigen Cheeseburger („Mh…schmeckt gar nicht mal so gut.“) und einer noch fettigeren Pizza stärken, welche von zwei frittierfreudigen Schülerinnen kredenzt wurden. Plötzlich spaziert unsere Bio-Farm-Wirtin vorbei. Gedankenschnell wollen wir uns noch hinter unseren Pizzakartons verbergen. Doch zu spät. Skeptisch streift uns ihr Blick. Werden wir uns auf ihrer Bio-Farm je wieder blicken lassen können?

Einen Blick wert: Die Whiskys von Aberlour

Auch wenn in Aberlour wenig los ist: Die Destillerie mit der sehenswerten Tour und der anschließenden Verkostung von sechs Abfüllungen lohnt den Besuch. So wird unter anderem der Klassiker Aberlour 15 Jahre eingeschenkt. Er lagerte zuerst 14 Jahre in einem Mix aus Bourbon-Hogshead und Sherryfässern. Das letzte Jahr verbringen die nun geblendeten Whiskys gemeinsam in frischen Sherryfässern.

Unser Tasting des Aberlour 15 Jahre

Wie riecht er?

Der verlockende Geruch von süßem Mandelkuchen macht Lust auf diesen Speyside-Whisky. Dann süßlich mit dem Duft von trockenem Holz und Trockenobst wie Kirschen und Marillen (Aprikose). Hier wird auch direkt die teilweise Lagerung in Ex-Sherryfässern deutlich. Darüber hinaus riechen wir Lavendel-Seife und Marzipan.

Wie schmeckt er?

Auf der Zunge zuerst floral und fruchtig mit Lavendel, Orangenschale und Grapefruit-Zitrusnoten. Das Mundgefühl ist trocken, holzig mit leichter Schärfe und Würzigkeit vom Eichenholz. Weiterhin schmecken wir Kardamom, Marzipan und Mandeln sowie röstige Malzaromen. Helles Karamell (Whisky-Fudge) und die Schärfe von grünem Pfeffer runden den Malt-Whisky ab.

Aberlour 15 Jahre im Whisky-Test
Gestaltung & Story86
Geruch84
Geschmack84
Preis-Leistung88
86
Fazit
Der Aberlour 15 Jahre ist ein guter Speyside-Whisky mit spannenden Sherryaromen. Süße und Würze wechseln sich angenehm ab. Er ist gut ausbalanciert und in seinen Aromen nicht überfrachtet. Ein lohnenswerter Einstieg in die Welt der sherryfassgelagerten Malts. Der Preis von rund 40 Euro ist sehr fair.

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