Die Aberfeldy-Destillerie liegt sehr beschaulich in einer kleinen Stadt der Highlands. (Foto: Alkoblog)

Direkt vor den Toren von Aberfeldy liegt inmitten einer wunderschönen Landschaft die gleichnamige Destillerie. Diese beinhaltet das frisch renovierte Besucherzentrum, welches auch besser bekannt ist als „Dewar’s World of Whisky“. Der hier hergestellte Malt bildet den wichtigsten Bestandteil der bekannten Dewars-Blends. Die sind den USA seit Jahren der Renner (laut eigener Aussage der meistverkaufte Scotch Whisky dort) – bei uns in Deutschland findet man ihn kaum. Kurioserweise ist er auch in Schottland selbst eher selten zu bekommen.

In der Dewars World of Whisky kann man noch das ein oder andere Dram Whisky probieren. (Foto: Alkoblog)
In der Dewar’s World of Whisky kann man noch das ein oder andere Dram Whisky probieren. (Foto: Alkoblog)

Zur Begrüßung bekommen wir zwei Audio-Guides in die Hand gedrückt und dürfen uns erst mal einen kurzen Film anschauen. Hier wird betont, dass der Hauptbestandteil von „Dewar’s“ nicht etwa die Werbung ist, sondern die Qualität und die Tradition im Mittelpunkt steht. Mehrere Charaktere aus der Destillerie kommen zu Wort und sagen schöne Sätze in die Kamera. Der Film ist sehr stimmungsvoll gemacht, aber natürlich vor allem: Werbung.

Ausstellung in der Dewar’s World of Whisky

Danach dürfen wir uns einer Art kleinem Museum selbst umschauen. Hier wird die Geschichte von John Dewar erzählt, der in der Gegend von Aberfeldy aufwuchs und sich mit einem kleinen Laden selbstständig machte. Er verkaufte Whisky, der zu damaliger Zeit noch ein ziemlich raues Gebräu war und mit importierten Spirituosen wie Cognac aus Frankreich geschmacklich nicht mithalten konnte. John Dewar begann eigene Blends aus verschiedenen Whiskyfässern zu mischen und bot sie unter seinem Namen an. Ein geschickter Marketingschachzug, denn so baute er sich Schritt für Schritt eine Marke auf, indem er für die gleichbleibende Qualität des Blends garantierte. Der Grundstein zu einem Spirituosen-Imperium war gelegt.

Whisky als Wundermittel: Dewar’s wusste schon früh, dass Whisky „gesund“ ist und angeblich auch bei Grippe und Depression wirkt. (Foto: Alkoblog)

Alte Werbeplakate und interaktive Spiele

Witzig sind in jedem Fall die alten Werbeplakate für Dewar’s. So hebt eines die „Schutzschild“-Funktion des Blends hervor, der gegen Erkältung, Grippe und Depression helfe. Ein anderes zeigt eine Frau, die ihren Mann ahnungslos fragt: „Warum muss es immer dieser bestimmte Whisky sein?“ – Antwort: „Weil es der Beste ist.“ Etwas schade fanden wir, dass es nur wenig Original-Exponate zu sehen gab, alle Poster und historischen Fotos in der Ausstellung waren nachgedruckt.

Neben Plakaten gibt es ein Quiz und ein Blending-Spiel, bei welchem man aus verschiedenen Malts den Dewar’s-Whisky selbst zusammenstellen soll. Als erfahrener Whisky-Trinker lernt man hier natürlich nicht wirklich viel dazu. Ein Aromarad bildet den Abschluss der kleinen Ausstellung: Hier kann man etwa den typischen Geruch von Leder, Rauch, Gummi oder verschiedenen Blumen schnuppern. Leider kommen rauchige und torfige Noten im Dewar’s Blend wohl kaum vor – schade, denn gerade die mögen wir doch so gerne!

Nach der selbst geführten Tour geht es erst mal an die Theke zur Verkostung. Im Eintrittspreis von 7,50 Euro ist ein Dram mit 25 ml von einem der folgenden Whiskys inklusive: Aberfeldy 12 (Single Malt), Dewar’s 12 Jahre (Blend), Dewar’s White Label Blend. Da wir den Aberfeldy schon von zuhause kennen, entscheiden wir uns für den 12-jährigen Dewar’s. Unseren Tasting-Bericht dazu findet ihr demnächst hier.

Hoch hinaus: Der markante rote Schornstein von Aberfeldy ist schon von Weitem sichtbar. (Foto: Alkoblog)
Hoch hinaus: Der markante rote Schornstein von Aberfeldy ist schon von Weitem sichtbar. (Foto: Alkoblog)

Führung durch die Aberfeldy Distillery

Jetzt wird es spannend: Unser Guide Dorothy nimmt uns und die anderen Gäste an die Hand und führt uns durch die Destillerie. Die wirkt erstaunlich klein und übersichtlich, und das obwohl in Aberfeldy jährlich 2,6 Mio. Liter Whisky gebrannt werden. Wir dürfen in die riesigen Wash Backs (Gärbottiche) gucken, von denen jeder rund 34.000 Liter fasst. Destilliert man den Inhalt eines Bottichs, erhält man ca. 15.000 Flaschen Whisky. Auch die imposanten Brennblasen aus Kupfer kriegen wir gezeigt.  Weil gerade gebrannt wird, ist es richtig warm in der Halle – und das obwohl die Fensterfront komplett offen ist und einen traumhaften Ausblick in die Natur bietet. Wenn ich hier arbeiten würde, ich würde die ganze Zeit aus dem Fenster schauen!

Leider ist das Fotografieren in der Destillerie nicht erlaubt. Angeblich besteht Explosionsgefahr durch alkoholische Dämpfe, vielleicht wollen sie aber auch einfach nicht, dass jeder Kessel und jede Anlage abgelichtet wird und im Internet landet.

Keine Lagerung vor Ort

Der hier gebrannte junge Whisky („new make“) wird aus Platzgründen leider nicht vor Ort gelagert, sondern in Tanklaster gepumpt und zweimal pro Woche nach Glasgow gefahren. Dort findet in einer riesigen Anlage das Blending statt und wird der Brand wird zur Reifung in Fässer abgefüllt und eingelagert. Auch die Abfüllung in Flaschen erfolgt dort. Angesichts der enormen Menge an Whisky wird uns an dieser Stelle klar, wie riesig diese Lagerhäuser sein müssen und in welchem Umfang die Whisky-Industrie produziert.

Whiskyfässer bei der Aberfeldy-Destillerie, welche zu einem großen Teil für den Dewars-Blend produziert. (Foto: Alkoblog)
Whiskyfässer bei der Aberfeldy-Destillerie, welche zu einem großen Teil für den Dewars-Blend produziert. (Foto: Alkoblog)

Da aber keine Destillerie-Führung ohne den Besuch eines Lagerhauses vollständig ist, führt uns Dorothy doch noch in das alte Warehouse von Aberfeldy. Dieses ist zu Show-Zwecken ausgebaut, man sieht also saubere Fässer mit schön lackierten Namen und vermutlich wurde der Dewar’s-Werbefilm vom Anfang auch teilweise hier gedreht.

Die Fässer werden übrigens dreimal wieder befüllt, sind also im Fall des 12-jährigen Single Malts schon richtig alt. Für Aberfeldy wie für Dewar’s kommen zunächst Ex-Bourbon-Fässer zum Einsatz, für die Schlussreifung greift man auf Ex-Sherry-Fässer aus Spanien zurück. Letztere sind mit 700 Euro pro Stück deutlich teurer als ihre Bourbon-Pendants (die kosten wohl 100 Euro das Stück).

Produktion fast nur für Blends

Von dem in Aberfeldy gebrannten Whisky landen übrigens rund 97 % in den Dewars-Blends, von den restlichen 3 % gehen noch mal Fässer ab, die direkt an andere Destillerien verkauft werden. Der Anteil der 12- und 21-jährigen Single Malts aus Aberfeldy an der Gesamtproduktion ist also ziemlich gering. Das könnte erklären, dass wir diesen Whisky weder in den Läden von Aberfeldy noch in anderen Supermärkten des Landes gefunden haben.

Zurück im Besucherzentrum, welches auch ein kleines Café und einen Shop beinhaltet, lassen wir es uns nicht nehmen, an der Theke noch mal nach dem Aberfeldy 21 Jahre zu fragen. Und tatsächlich schenkt uns der nette Barkeeper ein Dram davon ein. Gratis! Das ist ein schöner Abschluss unseres Besuchs hier, in der Destillerie vor den Toren von Aberfeldy.

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