Nach unserer Führung durch die Aberfeldy-Destillerie kamen wir clevererweise auf die Idee an der Bar im Besucherzentrum noch mal nach einer Zugabe zu fragen. Wir hatten dem Barkeeper vorher schon – ohne Hintergedanken – erzählt gehabt, dass wir den Aberfeldy 12 Jahre zuhause haben und sehr gerne trinken. Der Barkeeper war begeistert, anscheinend kennen viele der Besucher die Abfüllungen von Aberfeldy gar nicht. Laut seiner Aussage werden auch nur rund 3% der Jahresproduktion für die 12- und 21-jährigen Aberfeldys verwendet, der Rest landet in den hauseigenen Blends, wie zum Beispiel im  Dewar’s 12 Jahre. Eine Freude also für die Mitarbeiter, dass zwei Besucher die auch in Schottland eher seltenen Flaschen kennen. Und so bekamen wir tatsächlich den 21-jährigen Aberfeldy eingeschenkt.

Einen alten Whisky wie den Aberfeldy 21 zu trinken ist immer etwas Besonderes

Ich finde es immer wieder ein erhebendes Gefühl, einen so alten Malt im Glas zu haben. Was hat dieser Whisky nicht schon alles miterlebt – hätte er nicht die ganze Zeit im dunklen Lagerhaus gelegen? Auch vom Geschmack her geht man an einen älteren Whisky ganz unwillkürlich mit höheren Erwartungen heran. Nicht zuletzt, weil der Aberfeldy 21 nicht ganz billig ist: Rund 80 Euro muss man für eine Flasche auf die Ladentheke legen (vor Ort in der Destillerie war er mit 90 Pfund sogar noch deutlich teurer). Natürlich bezahlt man bei einem 21 Jahre alten Single Malt immer auch das Alter bzw. die lange Lagerdauer und eventuelle Knappheit mit. Die Frage bleibt aber natürlich trotzdem, ob der große Bruder von Aberfeldy 12 hält, was er verspricht und sich so deutlich vom 12-jährigen absetzt, dass der Preisunterschied sich lohnt.

Die alten Gemäuer der Aberfeldy-Destillerie sind wunderschön gelegen. (Foto: Alkoblog)
Die alten Gemäuer der Aberfeldy-Destillerie sind wunderschön gelegen. (Foto: Alkoblog)

Unser Tasting des Aberfeldy 21 Jahre

Wie riecht er?

Schon beim Nosing merkt man dem 21-jährigen Malt sein gehobenes Alter an. Dunkle Früchte sind zu schmecken, ergänzen sich mit der Süße von Pfirsich und Honigmelone. Ein intensiver und verlockender Duft.

Wie schmeckt er?

Sehr intensiv und komplex. Der Senior aus dem Hause Aberfeldy zaubert eine langanhaltende Fruchtigkeit auf die Zunge. Wir glauben Pfirsich und Honigmelone erkannt zu haben, ergänzt um süßes Toffee. Eine ledrige Note verbindet sich mit weiteren dunklen Aromen. Schon nach dem ersten Schluck hat man eine volle Malzigkeit im Mund. Insgesamt ist der 21-jährige deutlich glatter als der 12-jährige Malt, er wirkt harmonisch und anschmiegsam. Die Überraschung kommt nach dem Trinken: Ein feines Raucharoma bleibt im Mund zurück, welches den Genuss dieses exzellenten Whiskys angenehm verlängert.

Aberfeldy 21 Jahre
Gestaltung & Story88
Geruch & Geschmack96
Preis-Leistung70
85
Fazit
Es ist keine Überraschung, dass der Aberfeldy 21 deutlich komplexer als sein jüngerer Bruder ist. Durch die lange Reifung und das Finishing im Sherryfass entwickelt er intensive Fruchtaromen, die sich ausgewogen ergänzen und ihn zu einem ausgezeichneten Whisky machen. Mit 80 Euro pro Flasche zählt er zwar zu den günstigeren 21-jährigen, dennoch würden wir wohl im Alltag stattdessen lieber zweimal den nur halb so teuren 12-jährigen kaufen.

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